Die heilige Taube als Schwan

- Lange vorbei sind die Tage, in denen der "Parsifal" einzig und allein Bayreuth vorbehalten blieb. Und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Bühnenweihfestspiel auch seinen Weg zu den Tiroler Festspielen nach Erl finden würde. Fügt sich Wagners letztes Opernwerk mit seinen religiösen Anklängen doch bestens in das Ambiente des dortigen Passionsspielhauses.

Übertriebene Weihe will sich jedoch trotz originalem Passionskreuz auf der Bühne nicht einstellen. In Gustav Kuhns Interpretation erweist sich das Werk vielmehr als ein Stück packendes Musiktheater, das vom Dirigenten mit forschen Tempi zügig vorangetrieben wird, ohne dabei je an Spannung einzubüßen.

Auch als Regisseur übt sich Kuhn diesmal in vornehmer Zurückhaltung, schafft es aber immer wieder, mit einfachsten Mitteln große Wirkung zu erzielen und alte Klischees gekonnt zu umschiffen. Die heilige Taube etwa gibt es bei ihm nicht, dafür einen Schwan, der in Gestalt einer Tänzerin Parsifal nach langer Irrfahrt wieder zurück zum Gralstempel führt. Den titelgebenden reinen Toren verkörperte Michael Baba, der sich die Partie klug einteilte und dabei nie seine Vergangenheit im lyrischen Fach verleugnete.

Seiner Partnerin Martina Tomcic kam vom gespaltenen Wesen der Kundry vor allem die verruchte Verführerin des zweiten Aktes entgegen, doch stieß sie hier bei den dramatischen Ausbrüchen leider deutlich hörbar an ihre stimmlichen Grenzen. Auch Thomas Gazheli ließ sich als Amfortas im Schlussbild zum Forcieren hinreißen, wodurch seine an sich überzeugende Leistung im ersten Akt leicht getrübt wurde.

Klüger mit seinen Ressourcen wusste dagegen Manfred Hemm umzugehen, der die langen Erzählungen des Gurnemanz im ersten Akt eloquent gestaltete. Ebenso prägnant zeigte sich Michael Kupfer als Klingsor, der sich ein eindrucksvolles Duell mit Kundry lieferte, aus dem er, ebenso wie in der Gunst des Publikums, als klarer Sieger hervorging. Großen Anteil am Gelingen des Abends hatte nicht zuletzt auch der von Jacek Benn bestens vorbereitete Chor, der mit Verstärkung der Wiltener Sängerknaben die Szenen im Gralstempel zu einem unbestrittenen Höhepunkt der Aufführung werden ließ.

War bislang der "Ring" das Markenzeichen der Erler Festspiele, bietet man Wagner-Fans, die nach wie vor auf Bayreuths Warteliste stehen, mit dieser Produktion nun einen weiteren Anreiz für einen kleinen Abstecher nach Tirol.

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