Auf zum heiligen Berg

- "Mehr und mehr wird München zu einem heimatlichen Anlaufpunkt." Das ließe sich auch direkter ausdrücken und soll mutmaßlich heißen: Christian Thielemann fühlt sich hier wohl. Als "Neuer" wird er nicht mehr behandelt, der Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker steht immerhin vor seiner dritten Saison. Und dass er nicht für Programme mit Nono, Schnittke oder Händel geholt wurde, spiegelt auch die Spielzeit 2006/ 07 wider. Gestern wurde sie im Gasteig vorgestellt.

Es gibt also, passend zur Tradition der Philharmoniker, Deutschromantisches satt. Thielemann hat sich zum Beispiel Brahms' Dritte, Beethovens Siebte oder Strauss' "Zarathustra" vorgenommen, allerdings auch die Uraufführung von "Lamento" (Siegfried Matthus). Zudem wagt man sich, bedingt durch Celibidaches legendäre Abende, an den heiligen Berg hiesiger Symphonik, an Bruckners Achte. Auffallend, dass sich einige Thielemann-Programme überschneiden - das Hauptwerk bleibt gleich, die Stücke vor der Pause werden ausgetauscht.

Keine Erhöhung der Eintrittspreise

Den Philharmonikern hat diese Konzentration aufs Kernrepertoire offenbar gut getan. Mit über 18 000 Abonnenten habe man einen "historischen Höchststand" erreicht, sagte Kulturreferentin Lydia Hartl. Allein 3000 seien zur Saison 2005/ 06 dazugekommen. Und auch beim CD-Partner ist die Paarung Thielemann/ Philharmoniker gefragt. In der nächsten Saison werden das Brahms-Requiem und ein Wagner-Abend mit René´ Pape mitgeschnitten.

Überdies plant der Chefdirigent in den nächsten Jahren, alle Lieder von Richard Strauss aufzuführen. Gestartet wird mit den "Vier letzten Liedern", die Deborah Voigt singt. Um das Zentralgestirn Thielemann konnte man einige namhafte Kollegen gruppieren. So wird etwa Lorin Maazel, langjähriger Chef der "Nachbarn" vom BR, für zwei Programme kommen. Ehrendirigent Zubin Mehta ist ebenfalls mit zwei Serien vertreten. Michael Tilson-Thomas vom San Francisco Symphony Orchestra ist erstmals am Pult, Daniele Gatti dirigiert einen Verdi-Mix mit Ouvertüren und Chören.

Unter den Solisten finden sich hochkarätige Namen wie Alfred Brendel und Martin Stadtfeld (Klavier), Thomas Zehetmair und Frank Peter Zimmermann (Geige), Christine Schäfer, Christian Gerhaher und Diana Damrau (Gesang), der junge Münchner Cellist Johannes Moser debütiert bei Thielemann mit Schumanns Cellokonzert.

Preiserhöhungen konnten in der kommenden Spielzeit vermieden werden, auch die freie MVV-Fahrt zum Konzert bleibt durchs Ticket garantiert. Lydia Hartl sprach zwar von einer "neuen Sparphase", mochte aber keine genauen Zahlen nennen. Nur so viel: "Man muss sich in München um die Kultur keine Sorgen machen."

Einige Höhepunkte:

- Mozarts d-moll-Klavierkonzert und die zweite Symphonie von Sibelius mit Martin Stadtfeld und Lorin Maazel (Oktober).

- Mozarts Klavierkonzert KV 503 und Brahms' Dritte mit Alfred Brendel und Thielemann (November).

- Bruckners Achte mit Thielemann (Januar '07).

- Mahlers "Auferstehungssymphonie" mit Zubin Mehta (Februar '07).

- Wagner-Abend mit René´ Pape und Thielemann (März '07).

- Brett Deans Violinkonzert und Strawinskys "Sacre" mit Frank Peter Zimmermann und Jonathan Nott (März '07).

- Verdi-Abend mit Daniele Gatti (April '07).

- Brahms-Requiem mit Thielemann (April '07).

- Strauss-Wagner-Abend mit Deborah Voigt und Thielemann (Mai '07).

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