Heilsamer schwarzer Humor

- Man könnte pingelig sein und diesen neuen Abend in der Münchner Halle 7 ein bisschen lang finden. Aber die, sagen wir, höchstens Viertelstunde übers Vorstellungsmaß hinaus ist bestens investiert. So viele scheinbar überpointierte, im Grunde nur klarsichtige Lebenswahrheiten wie in "Geschichten des alltäglichen Wahnsinns" des Tschechen Petr Zelenka - das ist mal ein Theatertext mit Fleisch dran.

Bisher hat sich der 38-Jährige vor allem im Film-Bereich profiliert. Inkunst-Regisseur Mario Andersen hat soeben in diesem ersten Bühnenstück Zelenkas (unter "Wrong Side Up" bereits verfilmt) ein typisch tschechisch verzweifeltes Existenzgefühl aufgespürt, das unweigerlich seinen eigenen heilsamen schwarzen Humor gebiert.

Zelenka wirft nämlich einen Blick auf die Übergangsgesellschaft zwischen Spätstalinismus und noch nicht funktionierender Demokratie: Der ehemalige Wochenschausprecher ist am Rande von Alzheimer. Kann aber noch die kommunistischen Lobhudel-Nachrichten als jetzt wieder gefragte Nostalgie-Poesie aufsagen. Seine vom Helfersyndrom getriebene Frau will ständig Blut für Tschetschenien spenden und endet in der Klapse. Der Sohn Petr versucht, seine gerade mit Ales lebende Frau Jana zurückzukriegen, mittels krausem Hexenrezept aus dem Experimentier-Fundus seines Freundes Mücke, der selbst mangels weiblicher Partnerschaft allerlei sexuelle Hilfsmittel ausprobiert und schließlich eine Schaufenster-Puppe mit späterer Vital-Möglichkeit erwirbt.

Beziehungen alle kaputt. Sexualleben gestört. Und dennoch starten diese "Schrottengel", wie Zelenka sie nennt, in ihrer Sehnsucht nach Liebe, nach "den kleinen Inseln des Glücks" die irrsten Manöver. Stürzen sich in den Suff. Wählen, auf eine Art, bewusst den Wahnsinn, weil sie darin eine Freiheit sehen.

Andersen führte seine zwölf jeweils sehr individuellen Darsteller geschickt durch dieses Beziehungsgewirr. Mücke/ Oscar Axelrod-Naumann und vor allem der melancholisch-leise Komiker Christof Küster als Petr sind hier schlichtweg grandiose Prototypen der Generation "Schrott".

Bis 11. 7., Karten unter Tel. 089/ 53 29 78 29.

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