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Stühle raus – Tanzende rein: Insgesamt 5000 Zuschauer feierten am Freitag und Samstag das Heimatsound-Festival im Oberammergauer Passionstheater – hier der Auftritt von Georg Ringsgwandl.

Oberammergauer Passionstheater

Heimatsound: Zwei Tage mit großartiger Musik

Oberammergau - Und dann kam das Unwetter. Eines von fast biblischer Dimension. Blitze zuckten überm Oberammergauer Passionstheater, es regnete wasserfallmäßig.

Eine einheimische Besucherin des Heimatsound-Festivals brachte den Sachverhalt sofort auf den einzig logischen Punkt. „Das ist der Zorn Gottes.“ Das ist die Strafe dafür, dass Hans Söllner, dieser ewige Querschädel, dieser bayerische Krawallero, gerade im Passionstheater gesungen hat. Dass die Leute geklatscht haben und manche sogar mitgesungen. Dass dieser Söllner auf der heiligen Bühne stand, auf der sie in dem Passionsdorf sonst alle zehn Jahre ihren Jesus ans Kreuz nageln. Nicht jeder im Ort fand es witzig, dass sie einen wie ihn eingeladen haben. Oberammergau kann mitunter stockkonservativ sein.

Bilder vom Festival

Heimatsound-Festival in Oberammergau: Bilder

Aber Oberammergau kann auch lässig sein. Das hat man bei dem zweitägigen Festival auf der Stelle gemerkt. Junge, Alte, Mittelalte, Bayern, Österreicher und Sonstige haben gemeinsam Bier getrunken und großartigen Bands wie Kofelgschroa, Moop Mama, Express Brass Band oder Ringsgwandl zugehört. Zum Abkühlen ging’s an den Bierstand oder gleich mit Badehose in die Ammer. Kurzum: Heimatsound hat das Potenzial zum Lieblingsfestival. Man wünscht sich viele Fortsetzungen. Der Sänger der österreichischen Band 5/8erl in Ehr’n hat sich vor lauter guter Laune und im Takt der Musik schmusenden Pärchen gleich mal zu diesem einigermaßen größenwahnsinnigen Satz hinreißen lassen: „Ich glaub, des wird heut noch ein zweites Woodstock.“ Nun ja, ganz so schlimm wurde es dann doch nicht, und selbst der Zorn Gottes hat den Söllner Hansi nicht persönlich erwischt. Er blieb die ganze Zeit trocken. Das Wunder von Oberammergau? Nö, viel einfacher: Inzwischen können sie das Dach des Passionstheaters in Unwetter-Fällen zuziehen. Moderne Zeiten in Ogau. Gut so.

Stefan Sessler

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