Heinz-Bosl-Stiftung: Musikalität und Präzision

- Bosl-Studenten oder Akademie-Studenten? Verwirrung? In ihrer Matinée-Einführung machte Konstanze Vernon noch mal klar: Die Ballett-Akademie, der sie als Leiterin vorsteht, ist Teil der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater München, alle Absolventen sind also staatlich geprüft. Die Heinz-Bosl-Stiftung, die sie 1978 ins Leben rief, ist lediglich ein Geldtopf, aus dem u. a. das Internat, Stipendien und die so schnell zertanzten Spitzenschuhe finanziert werden. Und natürlich die traditionelle Ballett-Matinée der Heinz-Bosl-Stiftung.

Und die war wieder wunderschön. Mit Michail Fokines "Les Sylphides" von 1907/08 schwebt Romantik pur über die Nationaltheater-Bühne: Das Corps in langen weißen Tüllröcken formt ­ schmiegsam in Melodie und Takt von Chopins Nocturnen, Walzern und Mazurken ­ immer neue rankig verschlungene Figurationen im Raum, während Solo-Ballerinen und ein Ballerino ihre Variationen duftig dazwischentupfen. Die Studentinnen beweisen hier Fokin‘sches fließendes Port-de-bras-Gefühl und eine in reine Musikalität umgemünzte Präzision. Lupenrein einstudiert hat hier Elena Pankowa, die, schon am Begrüßungsapplaus erkennbar, beim Publikum als außergewöhnliche Staatsballett-Solistin in Erinnerung ist.

Nach diesem Neuerwerb glückliches Wiedersehen mit Hans van Manens "In the Future": in seinen vorne grünen, hinten roten Ganztrikots ein farbkräftiges seriell bewegtes Op-Art-Gemälde, von Vernons Zöglingen messerscharf skulptural getanzt. David Byrnes dazu stimmige Musik knallt ­ die penetrante lärmige Mode ­ aus den Boxen. In dem athletischen Spaß "Troy Game" von inzwischen schon Bosl-Stammgast Robert North lassen dann acht prächtige Troja-Kampfsportler keinen Zweifel, dass sie sich bald ihre Engagements erobern werden. Als Abschluss die frisch von Tom Bosma entworfene "Rumänische Suite", die alle jüngeren Bosls verwandelt zum riesigen rhythmisch punktgenauen Volkstanz-Ensemble. Applaus zu Recht euphorisch.

Auch 3. und 10. 12., 11 Uhr, Karten 089/ 33 77 63.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Blind sind die anderen
Saliya Kahawatte hat 15 Jahre in einem Hotel gearbeitet, obwohl er kaum sehen kann – von den Vorgesetzten unbemerkt.
Blind sind die anderen
Der Rest ist – Jubel
München - Hausregisseur Christopher Rüping glückte an den Münchner Kammerspielen eine hochkonzentrierte Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“. Lesen Sie hier unsere …
Der Rest ist – Jubel
Unser Soul-Arbeiter
Lee Fields brachte den Club Ampere zum Dampfen
Unser Soul-Arbeiter
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten
Jempten - Falco wäre im Februar 60 Jahre alt geworden. Er starb jung, doch seine Hits wie „Rock Me Amadeus“ und „Jeanny“ begeistern die Menschen noch immer.
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten

Kommentare