Heiße Küsse

- Sie ist die Operndiva unserer Zeit. Wo auch immer Anna Netrebko in Erscheinung tritt, Aufmerksamkeit von Fans und Medien ist ihr auf jeden Fall gewiss. Nicht anders bei ihrem umjubelten Konzert auf dem Münchner Königsplatz, das man schon jetzt getrost als das Open-Air-Event des Jahres bezeichnen kann. Alte wie neue Opernfreunde und natürlich reichlich Prominenz waren erschienen, um der schönen Anna zu lauschen und sich im Blitzlichtgewitter zu sonnen.

Die russische Primadonna selbst kam, sang und hatte das Publikum schon nach der ersten virtuos vorgetragenen Arie mühelos um den Finger gewickelt. Schließlich weiß die Netrebko, was sie ihren Fans und ihrem Image schuldig ist. In wechselnden Designerroben folgte ein Bravourstück dem nächsten. Und wenn man sich noch ein klein wenig gedulden muss, bis sie in Doris Dörries Staatsopern-"Rigoletto" den Planeten der Affen erobert: Einen kleinen Vorgeschmack auf ihre Gilda gab es schon einmal. Ebenso eine Kostprobe ihrer gefeierten Violetta ("La traviata"), mit der sie sich 2004 in München vorgestellt hatte und die sie demnächst in Salzburg singt. Ob nun Verdi, Gounod, Donizetti oder Dvorá´k, jede Arie, jedes Duett wurde technisch makellos präsentiert und folglich auch bejubelt.In Ramon Vargas, der an diesem Abend für den nötigen tenoralen Schmelz sorgte, hatte die Diva dabei einen durchaus ernst zu nehmenden Konkurrenten in der Gunst der Zuhörerschaft. Der Mexikaner erwies sich nicht nur als sensibler Partner, sondern konnte vor allem auch mit seinen Arien aus Verdis "Luisa Miller" und Cileas "L'Arlesiana" begeistern.Netrebkos dunkel timbrierter Sopran schien dagegen bei der Musik Puccinis bestens aufgehoben. Gerade dessen sehnsüchtig schwelgenden Melodien verstand auch Fabio Luisi auszukosten, der die beiden Sänger am Pult der Wiener Symphoniker effektvoll und stilsicher begleitete. Und wenn die Netrebko als Zugabe in fast akzentfreiem Deutsch "Meine Lippen, sie küssen so heiß" folgen lässt, und dazu eine Tanznummer aufs Parkett legt, spätestens dann war es wohl auch um den letzten im Publikum geschehen. 

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