Heiße Luft um die Dampfnudel

Mainz/München - Rheinland-Pfalz und Bayern liegen im Clinch: Sie zanken sich um die Dampfnudel

Die Dampfnudel an sich gibt wenig Anlass zum Streiten. Allenfalls lässt sich darüber diskutieren, ob die Mehlspeise besser in der süßen oder in der salzigen Variante schmeckt. Doch jetzt zanken sich jetzt Rheinland-Pfalz und Bayern um die Dampfnudel. Der Grund: Bayerns Landwirtschaftsministerium listet die Mehlspeise im Internet in einer Datenbank mit bayerischen Spezialitäten auf. Der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) fürchtet nun, dass sein Kollege aus dem Süden die Dampfnudel EU-weit als bayerisches Produkt schützen lassen will. Dabei sei doch die Dampfnudel auch in der Pfalz, die einst zu Bayern gehörte, eine Spezialität und könne auch von dort stammen.

Die Dampfnudel ist ein Kloß aus Hefeteig, der in Wasser, im Dampf oder in Milch gegart wird. Die Ludwigshafener Tageszeitung "Rheinpfalz" hatte die Dampfnudel in der bayerischen Datenbank entdeckt und Alarm geschlagen. Hering fährt nun in einer launig geschriebenen Pressemitteilung großes Geschütz auf: Man werde sich "die Dampfnudel nicht kampflos nehmen lassen", verkündet er. Etwas augenzwinkernd droht er sogar, "alle diplomatischen und juristischen Möglichkeiten" auszuschöpfen", damit die Dampfnudel auch weiterhin in der Pfalz "hergestellt, verkauft und verzehrt" werden kann, ohne dass es Ärger aus Bayern gibt.

Das mag alles nicht bierernst gemeint sein, hat aber nach den Worten von Herings Pressesprecher Kai Krischnak schon einen ernsten Hintergrund. "Es ist schon verwunderlich, was Bayern da macht", sagt Krischnak. Mehr als 200 Spezialitäten listet das bayerische Ministerium auf der Internetseite "Food from Bavaria" auf - vom Abensberger Spargel bis hin zum Zwickelbier. Dort finden sich Spezialitäten, deren Herkunft einleuchten - zum Beispiel die Weißwurst. Dort finden sich aber auch die Dampfnudel, Schwäbische Maultaschen und Spätzle. Das soll alles "ur-bayerisch" sein?

Ein Anruf im Landwirtschaftsministerium in München sorgt für Entwarnung. Von den aufgelisteten Spezialitäten will Bayern vielleicht 40 oder 50 EU-weit schützen lassen, sagt Pressesprecher Alfons Kraus. "Und die Dampfnudel gehört garantiert nicht dazu." Im Blick habe man vor allem Spezialitäten, bei denen ein Schutz auch ökonomisch interessant sei. 16 Speisen seien bereits EU-weit geschützt, mehr als 20 weitere durchliefen zur Zeit den Anmeldungsprozess, sagt Kraus.

Und kein schlechtes Gewissen, dass Bayern die Dampfnudel so vereinnahmt? "Wir lassen uns von Rheinland-Pfalz die Dampfnudel nicht versalzen", sagt Kraus. Es sei nämlich so: In der Pfalz werde die Dampfnudel mit einer Salzkruste gegessen - in Bayern dagegen eher in der süßen Variante, in Milch oder mit Vanillesoße. Pfälzer Weinstuben in München schrieben extra den Zusatz "mit Salzkruste" bei der Dampfnudel auf die Speisekarte, um sich keinen Ärger einzuhandeln, erzählt er.

Also doch nur viel heiße Luft um die Dampfnudel? Fast schon schade, denn in Mainz hätte man einen kreativen Vorschlag auf Lager, wie alle zufriedengestellt werden könnten: Minister Hering schlägt vor, gemeinsam für den europaweiten Schutz einer "Wittelsbacher Dampfnudel" einzutreten. Aus dem Adelsgeschlecht gingen lange Zeit die bayerischen und pfälzischen Herrscher hervor, beide Regionen wären also mit im Boot. Und Hering würde gerne zum "pfälzisch-bayerischen Dampfnudel-Gipfel" einladen - und zwar "im schönsten Teil des früheren bayerischen Königreiches, nämlich der Pfalz..." (Internet: www.food-from-bavaria.de)

dpa

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