Heiße Südstaaten-Tristesse

US-Fotograf William Eggleston: - Ein geparkter Wagen, ein geschlossener Laden, gebrauchte Autoreifen, vergessene Schuhe, eine Schaukel ohne Schaukel. Nichts liest man aus William Egglestons Heimatfotografien so oft wie eine menschgemachte und doch so menschenverlassene, heiße Südstaaten-Tristesse.

Zivil-Stillleben ohne Zivilisation, Gedichte von unbenutzten Dingen. Und doch sind seine Szenerien dabei nur trist, nicht traurig, nicht hoffnungslos, denn sie warten bloß - auf das Ende einer langen Siesta.

Als William Eggleston 1939 in Memphis, Tennessee, das gleißende Sonnenlicht der Welt erblickt, ist die marktfähige Farbfilmfotografie gerade erst geboren. Mit 18 kauft er sich seine erste Canon, mit 19 eine Leica. Doch noch vermisst die Farbfotografie eine künstlerische Anerkennung. Eggleston selbst wird 1976 der Erste sein, dessen Color Prints sich eine Einzelausstellung widmet: im Museum of Modern Art. 30 Jahre später, in der Münchner Pinakothek der Moderne, glänzt sein erstes Portfolio "14 Pictures" (1974), hergestellt im aufwendigen, teuren Dye Transfer-Druckverfahren, wunderbarerweise noch im gleichen Kolorit. Den Anstoß zur kleinen Schau von vier frühen Eggleston-Portfolios gab 2006 der Erwerb der zehnteiligen, auffallend bunten Serie "Southern Suite" (1981) durch die Freunde der Pinakothek. Auch hier hat Eggleston "nur draufgehalten" auf die Schilder, Pferde, Güterzüge. Doch was für feine unfreiwillige Bildkompositionen und Inszenierungen hält dieser wartende Alltag bereit!

Der Blick auf das scheinbar Unscheinbare, er bleibt dem wohlhabenden freien Fotografen noch, als er 1984 seinen ersten Auftrag für einen Reiseführer erhält: So erstrahlt Elvis Presleys Graceland als "William Eggleston‘s Graceland" (heute im Besitz der Münchner Sammlung Goetz) in kuriosen Details und Spiegelbildern.

Ein 15-teiliges Portfolio, "Troubled Waters" (1980), befindet sich seit 2003 als Dauerleihgabe des Siemens Arts Program im Haus. Auch diese Bildstrecke kreiert gewöhnlich ungewöhnliche Stadt-, Land- und Amerikaporträts, gefüllt mit stillem Witz und nackter Poesie. Schlammpfützen, Müllstapel, Ackerfurchen - der "Vielknipser" Eggleston bannt das Vorübergehende für einen zweiten, fotografisch gelenkten Blick. Nur so kann man auf dem Foto eines zugefrorenen Eisfachs neben Vanilla Ice Milk und Beef Pie ganz plötzlich eine Packung "Bavarian Style Beans and Spaetzle" entdecken.

Bis 19. August. Telefon 089/ 23 80 53 60.

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