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Leidenschaftlicher Seitensprung: Mariss Jansons dirigierte in der vergangenen Saison Tschaikowskys „Eugen Onegin“.

Mit heißem Herzen: Mariss Jahnsons Dirigent des Jahres

München - Laut einer Umfrage der "Opernwelt" ist er der Dirigent des Jahres: Mariss Jahnsons wird für seine Interpretation von Tschaikowskys "Eugen Onegin" geehrt.

Fast nie taucht er im Operngraben auf. Und wenn es einmal geschieht, sind das Feiertags-Momente. In der vergangenen Spielzeit ist es wieder passiert, da dirigierte Mariss Jansons in Amsterdam am Pult seines Concertgebouworkest Tschaikowskys „Eugen Onegin“. Wenige Wochen zuvor leitete er dasselbe Werk bei konzertanten Aufführungen im Münchner Herkulessaal, diesmal musizierte sein anderes Ensemble, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Für diese Interpretation, mit heißem Herzen gestaltet, in Bronzeklang veredelt und völlig kitschfrei, wurde Jansons in der jährlichen „Opernwelt“-Umfrage zum Dirigenten des Jahres gekürt.

Anders als beim „Echo Klassik“, mit dem sich die Phonoindustrie selbst auf die Schultern klopft und Preise zur Ankurbelung des CD-Verkaufs vergibt, ist die „Opernwelt“-Aktion das Ergebnis einer internationalen Umfrage unter 50 Kritikern. Opernhaus des Jahres wurde dabei erstmals ein Musentempel außerhalb Deutschlands, das Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel. Immerhin ein weiterer Preis ging quasi nach München: Martin Zehetgruber ist der Bühnenbildner des Jahres. Geehrt wurde damit seine Ausstattung für Dvo(r)áks „Rusalka“ an der Bayerischen Staatsoper.

Ein gebürtiger Augsburger wurde zum Sänger des Jahres gewählt: Bariton Johannes Martin Kränzle ist so etwas wie der Experte für ab- und hintergründige Partien. In Genf war er in der „Lustigen Witwe“ ein Danilo abseits aller Klischees, bei den Salzburger Festspielen des vergangenen Jahres der Mittelpunkt von „Dionysos“, ein neues Stück von Wolfgang Rihm – das auch den Titel „beste Uraufführung“ bekam.

Regisseur des Jahres ist Achim Freyer für Schönbergs „Moses und Aron“ in Zürich, bester Kostümbildner Reinhard von der Thannen für seine „Lohengrin“-Ratten, mit denen er die Bayreuther Festspiel-Produktion ausstattete. Orchester des Jahres ist wieder einmal das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, der Chor des Jahres kommt aus Stuttgart. In der Kategorie „Ärgerlichste Opernerfahrung“ ergab die Umfrage ein diffuses Bild, ein eindeutiger Verlierer konnte nicht ermittelt werden. Die Palette reicht hier von „fachfremden Künstlern“, die sich inszenierend ans Musiktheater wagen, über Beethovens „Fidelio“ (Regie: Calixto Bieito) und Messiaens „St. François“ (Hermann Nitsch) an der Bayerischen Staatsoper bis zum stillosen Abgang der Berliner Philharmoniker in Salzburg.

Markus Thiel

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