Heitere Freiheit

- Sichtbeton, Glas, etwas Metall. Materialangaben für ein Gebäude, die heutzutage die wenigsten ästhetisch wohlig erschauern lassen. Viel eher sträuben sich einem die Haare. Bilder von der Trostlosigkeit einer massenhaft vorfabrizierten Architektur tauchen automatisch bei der Nennung solcher Bau-Elemente auf. Dogma der Moderne hin oder her - wir alle sind traumatisiert von ihren brutalen Auswirkungen. Wer jetzt einen Atelierbesuch bei Hermann Rosa in der Münchner Osterwaldstraße 89 unternimmt, erfährt plötzlich, ja erlösend, was Sichtbeton, Glas und Metall auch sein können. Was Moderne einmal bedeutet hat: Freiheit, Leichtigkeit, Heiterkeit.

<P>Dieses "revolutionäre" Dreier-Erlebnis ermöglichen nun die Familie des Bildhauers und Baumeisters (ohne Studium) Hermann Rosa und das Münchner Lenbachhaus, das mit Atelier und einer Skulpturen-Ausstellung ein Gesamtkunstwerk Rosas geschaffen hat (Barbara Eschenburg). Ein zierliches, graues Gebäude im Grünen erwartet einen, das sich mit seinen beiden Glasfronten fast im Garten auflöst. Eine Art Campanile enthält sämtliche Installationen, ein kleiner ebenfalls frei stehender Kubus WC und Dusche. Das Atelier selbst überrascht durch mönchische Kargheit, die von Schönheit erfüllt ist. Stützenlos, nur in die Schmalseiten-Wand eingelassen klettert die Treppe (ohne Geländer) hinauf zu einer fast frei schwebenden Empore. Durch ein rundes Fensterloch im Dach fällt zusätzliches Licht.</P><P>Hermann Rosa, 1911 in Neundorf/Pirna geboren und 1981 in München gestorben, hatte in Prag, Dresden und München Bildhauerei studiert. Jetzt kann man unter anderem im Atelier seinem wunderbar sensiblen, vergeistigten Haupt Adalbert Stifters begegnen (das Fürther Denkmal, 1954, wurde verschandelt) oder den drallen, humorvollen Standbein-Spielbein-Figuren. Im Garten hat der Käfer-Mensch (1954) nach Kafkas "Verwandlung" seine artgerechte Unterbringung gefunden. Rosa behandelte bildhauerisch dieses irrwitzige, eben kafkaeske, Faktum genauso natürlich und selbstverständlich wie der Dichter selbst. </P><P>Aus heutiger Sicht ist der Bildhauer aber erst durch seine Atelierbauten - zwei davon wurden zur Unkenntlichkeit umgestaltet - zu einer radikalen und avantgardistischen Formfindung gelangt. Er hat gebaut wie einer der Plastiken macht - mit den Händen. Aber er hatte jenes "Handwerk" nicht erlernt, war nicht durchs Studium deformiert. So konnte er zur Freiheit finden. Fast zehn Jahre lange entstanden Bau-Skulpturen mit Hilfe von Sohn Veit und Ehefrau Maria, danach nahm Hermann Rosa wieder sein "traditionelles" Metier auf.</P><P>Bis 10. Oktober, Osterwaldstraße 89, U-Bahn 6, Station Nordfriedhof; August/September Fr.-So. 16-20 Uhr, Oktober 15-19 Uhr. Eintritt frei.<BR></P>

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