Die formvollendete Poesie von Paul Heyse war begehrt, rechts die Todesanzeige im Vorläufer unserer Zeitung. bibliothek, Haag

Der heitere Musenliebling

München - Zum 100. Todestag: Die Bayerische Staatsbibliothek erinnert mit einer Ausstellung an den Münchner Schriftsteller Paul Heyse.

Zugegeben, es gibt attraktivere Straßen in München. Die Paul-Heyse-Straße im Bahnhofsviertel ist vermutlich nicht die erste Wahl eines jeden Namensgebers. Und auch Goethe und Schiller, die ein paar Straßen weiter zu Ehren kamen, wären vielleicht lieber in eleganteren Ecken platziert worden. Gerade die Nachbarschaft zu diesen beiden Dichterfürsten zeigt aber, welch wichtige Gestalt auch Paul Heyse einst für die Landeshauptstadt war. Doch so, wie sich der einstmals ehrwürdige Stadtteil um die Schwanthalerstraße gewandelt hat, ist auch die Person Paul Heyse mehr und mehr in Vergessenheit geraten.

Das soll sich ändern: Zum 100. Todestag des Schriftstellers lädt die Bayerische Staatsbibliothek zur Ausstellung unter dem passenden Titel „Paul Heyse – Ein Liebling der Musen“ in die Schatzkammer der Bibliothek. Tatsächlich scheint Heyse, der 24-jährig von König Maximilian II. von Berlin nach München berufen wurde, einen besonderen Draht zu den Schutzgöttinnen der Künste gehabt zu haben. Nicht allein in der Schriftstellerei, ebenso als Maler und Musiker zeigte er besonderes Talent. Und steht damit auch für eine kulturelle Szene, die vor dem Ersten Weltkrieg in München blühte – und nach den Kriegsjahren so nicht wieder aufgelebt ist.

60 Jahre hat Heyse hier gewirkt, war ein Netzwerker erster Güte. Einer seiner besten Freunde: Franz von Lenbach. Ihre Villen lagen einander gegenüber. „Das war eine intensive Freundschaft von Malerfürst und Dichterfürst“, beschreibt es Ingrid Rückert, Kuratorin der Ausstellung. „Die beiden hatten oft besondere Besucher zu Gast. Und wenn etwa Bismarck bei Lenbach zu Gast war, kam auch Heyse herüber. Der eine porträtierte Bismarck, der andere schrieb ein Gedicht über ihn.“ Von diesen Freundschaften erzählt die Schau mit Briefen, Tagebucheinträgen, Zeichnungen und Fotografien. Dabei steht das wohl kostbarste Stück der Sammlung in der Mitte des Ausstellungsraumes: die Nobelpreis-Urkunde, die Heyse 1910 als erster deutscher Schriftsteller retrospektiv für sein Gesamtwerk erhielt. Gerade das deutsche Bürgertum liebte seine formvollendete Poesie. Durch den Krieg aber wandelten sich die Themenschwerpunkte auch dieser Leserschaft. „Heyses südlich-heiterer Stil war nicht mehr so gefragt. Naturalistische Werke wurden zu Verkaufsschlagern“, sagt Kuratorin Rückers.

Schon zwei Jahre nach Heyse erhielt wieder ein Deutscher den Nobelpreis: Naturalist Gerhart Hauptmann. Die beiden Schriftsteller trennten Welten. Das zeigt auch der Münchner Stadtplan. Vom Gerhart-Hauptmann-Ring bis zur Paul-Heyse-Straße sind es zwölf Kilometer.

Katja Kraft

Bis 22. Juni,

Mo. bis Fr. 10-18 Uhr,

Sa./So. 13-17 Uhr;

Ludwigstraße 16.

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