Heiterer Charme

- Wenn er in Paris gelebt hätte, wäre er berühmt geworden. Doch so wie ihm erging es manchem "Simplicissimus"-Zeichner von ehedem. Die Gewohnheit, jede Woche, auch in trüben Kriegs- und Nachkriegsjahren, einen süffisant-satirischen Rudolf Kriesch (1904- 1992) serviert zu bekommen, war zur Selbstverständlichkeit geworden. Seit 1928 lebte der Künstler in München und arbeitete alsbald für die "Jugend" und den "Simpl". Sein heiterer Charme der erotischen Zwiegespräche - in der Opernpause wie in der Trambahn, beim Fasching, in der Bar, bei der Anprobe oder im Atelier - reichte vom großstädtischen Boulevard bis ins allerletzte Provinznest.

<P>Zu Rudolf Krieschs 100. Geburtstag, der am 30. Mai ansteht, arrangierte jetzt das Tegernseer Olaf-Gulbransson-Museum eine Werkschau der gezeichneten und gemalten Originale, seiner "Simplicissimus"-Vorlagen wie seiner farbigen Pastelle. Auf dem Weg vom Impressionismus über die Matisse-Schule in den Kriesch-Ton des Illustrativen: "Rudolf Kriesch und die Frauen des Simplicissimus". </P><P>Der viel gereiste, längst zum Münchner gewordene Niederösterreicher fand seine entspannten Motive dort, wo Ruhe herrschte und eine beseligende Kontemplation: in einer Moschee und bei den Schuhputzern im Orient, unter Olivenbäumen auf Kreta, im Gelb und Grün eines zauberhaften Parks, an der Via Veneto in Rom wie in Chioggia oder bei den Tänzerinnen an der Stange und in der Garderobe.<BR><BR>Die Texte zu den über 2000 "Simpl"- Blättern entstanden meist in der Symbiose mit Effi Horn, seinem Eheweib, der langjährigen Mitarbeiterin dieser Feuilleton-Seiten. Die Wohlstandsblähungen der Wirtschaftswunderwelt aus den 50er-Jahren brachten einige der besten Motive; etwa das Pausengespräch in der Oper zweier mondäner, schlanker Damen mit einem kleinen Dick-Mops im Frack: "Tristan und Isolde - Ich verstehe nicht, was an dem Liebestod so großartig sein soll! Das ist bei uns schon nach dem dritten Ehejahr eingetreten."<BR><BR></P><P>Bis 7. März<BR>Montag bis Sonntag 11-17 Uhr, kein Katalog. <BR>Telefon (08022)  33 38</P><P>@  www.olaf-gulbransson-museum.de.<BR></P>

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