Heiteres Lebensgefühl

- Ein zehnjähriges Dance-Jubiläum darf gebührend gewürdigt werden. So leistete sich Kuratorin Cornelia Albrecht eine Werkschau der Grande Dame des US-Postmodern-Dance Trisha Brown.

In der E.on Piazza waren vier Miniaturen aus der großen New Yorker Aufbruchszeit der frühen 70er zu sehen, als sie völlig regelfrei lustvoll nur Daumen und Arme tanzen ließ, Tanz auch mal strikt in die Horizontale verlegte oder als humorvolle Kletteraktion auf ein aufgespanntes Seilnetz. Die Brown tanzte ja damals auf Hochhausdächern, ließ ihre Tänzer sich senkrecht Wände hinabhangeln. Später kehrte sie bewusst ins Theater zurück, ist heute begehrter Gast renommierter Opernhäuser zwischen Paris, Brüssel und London, und soeben im Münchner Gärtnerplatztheater mit drei aktuellen Arbeiten.

Das in helles Licht getauchte "Geometrie of Quiet" (2002) entfaltet sich zu eigenwilligen Flötenklängen in meditativer Ruhe um zwei wiederholt ins Tanzgeschehen hineingeführte große weiße Tuchsegel. Die sechs Tänzer holen hier die Tanzgesten pointiert aus locker entspannten Hüft- und Schultergelenken, wie man es von der jungen Brown kennt.

Als sie aufhörte selbst zu tanzen, wurde die Bewegung (die Männer mehr berücksichtigend) kompakter, was "How long…" (2005) in seinen muskelumspannenden roten und blauen Ganzkörpertrikots zu einem Kaleidoskop plastischer Körperformen macht, die Zwiegespräch führen mit unwirklich traumnah über die Bühne flirrenden zarten Lichtspiralen, -kurven und -quadraten, Diagrammen der vorab infrarot gefilmten Tänzer-Bewegung.

In "Present Tense" (2003) wirken die satt rotgelb kostümierten Tänzer vor knallbunter Naivmalerei wie ein akrobatisch aufgelegtes Zirkusvölkchen. Es formt sich zwar keine Geschichte, aber, dicht an John Cages "balinesisch" präpariertes Klavier angeschmiegt, vermittelt sich hier ­ emotional erzählend ­ ein spielerisch heiteres Lebensgefühl. Innovative Techniken, aber auch neu erwachtes Interesse an Tradition - die Brown, am 25. 11. wird sie 70, ist jung und flexibel geblieben.

Heute im Filmmuseum, 19 Uhr, Brown-Tanzfilme, 089/ 23 32 41 50.

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