Held mit Lindenblatt

- Ein ganz besonderer Theater-Charme: diese von Routine und Eitelkeit noch völlig unberührte Spiellust von Schauspiel-Studenten. Und wenn dann jene in Oscar Straus' Operette "Die lustigen Nibelungen" (1904) auf die burleske Schippe genommene goldgierige Burgunder-Sippe sich so charismatisch rotzfrech ins Euro-Heute singt, wie jetzt der 3. Jahrgang der Münchner Otto-Falckenberg-Schule, ist es gesteigerter Spaß. Dominik Flaschka hatte aber auch hinreißende Regie-Einfälle.

<P>Aufgestöbert aus schräg angepeilten freudianischen Psyche-Tiefen: Papa ist im Knast. Mutti Ute, obgleich optisch recht viril (Henning Stober mit Glatze und Felljacke), ist eben doch nicht so ganz der Vollwert-Vaterersatz und, ergo, Sohnemann Gunther: ein Bibberling.<BR><BR>Haben will der Burgunder-King im Goldlamé-Jackett natürlich die Powerfrau Brünhilde, aber fighten für, also mit ihr, nee. Das lässt er Übermann Siegfried von Niederland besorgen. Der hörnerne Held mit nur dem kleinen Lindenblatt - er trägt's als grünen Topflappen hinten auf dem Steiß - hat ja, gottlob, sein Tarngewand dabei. Braucht im Karate-Kampfgewitter zwischen den Holzbänken bloß als leuchtende Riesentomate da zu hocken - und Brünhi, die Bärenstarke, ist besiegt.<BR><BR>Doppelhochzeit jetzt, denn Christian Friedels Siegfried hat sich ja schon so allercharmantest die Zuneigung von Kriemhild ersungen, die Anneke Schwabe als Turnschuh-Ballerina mit brennender Leidenschaftsstimme und düster glühend in den Raum tänzelt. Zwei Talente.<BR><BR>Aber auch alle anderen (Sebastian Edtbauer, Sebastian Hofmüller, Gabriel Raab, Nicholas Reinke, Lilli-Hannah Hoepner, Elisabeth Hoppe) haben ihre ganz individuelle Qualität. Spielen und singen sich bis zum mörderischen Ende - Krankenschwester Magen attestiert getürkten Trauerblicks Siegfrieds Tod - durch himmelschreiend schöne Naiv-Reime, durch leise ironische Operettenseligkeit, Bayern-Rap, "Sexbomb"-Pop und nelkenbestecktes Gute-Nacht-Säuseln.<BR><BR>Und dass das alles zu einer Geschlossenheit wächst, garantiert mit zurückhaltend federleicht-filigranem Spiel Heinz-Peter Lange am Klavier.</P><P>Weitere Vorstellungen: 18., 20., 21., 28. Februar; Tel. 089/233 370 82.<BR></P>

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