Held mit vielen Gesichtern

- Leicht hat er es nicht gehabt, der Held der Helden - auch wenn er als Baby schon so stark war, dass er eine Riesenschlange, die ihn töten sollte, erwürgte. Zur Eröffnung der asbestsanierten Staatlichen Antikensammlung am Münchner Königsplatz lud man sich "Herakles - Herkules" ein (Sonderausstellung). Ein großes "Bilderbuch" wird aufgeschlagen. Nicht auf Seiten, sondern auf Vasen und Schalen allerfeinster Art wird vom Schicksal des Mensch-Gottes, von seinen Taten und Leiden, von seiner "Himmelfahrt" in den Olymp erzählt. Meistens Action pur.

<P>Auch die Dauerschau zeigt sich völlig aufgefrischt. Helle, freundliche Wände (nicht mehr die dunkle Steinverkleidung), wenn's auch nur provisorische Rigips-Platten sind, keine öde Masse an Exponaten; ergänzend dazu Bronzen und imposante Statuen in Abgüssen. Es tut sich da ein heiterer Reigen an erlesener Formenvielfalt auf und an spannenden Geschichten von Liebe und Sex, Mord und Totschlag, Tanz, Theater und Sport. Alles kurz und klar beschriftet. </P><P>Traumhaft schön dann im Keller der etruskische Goldschmuck; aber auch die hinreißenden Terrakotta-Figürchen, die fantasiestrotzenden Bronzen und zierlichen Gläser begeistern. Die Sammlung ist - das kommt jetzt zur Geltung - eine der besten der Welt. Sie ist Ludwigs I. gewiefter, weitsichtiger Ankaufsstrategie (nützlich: Napoleons Nachkommen in Geldnöten) zu verdanken. Der Herrscher ließ das Gebäude übrigens nicht als Museum, sondern als Ausstellungshalle von Georg Friedrich Ziebland errichten. Erst seit 1967 ist dort die Antikensammlung, die zusammen mit der Glyptothek geleitet wird, untergebracht. <BR><BR>Direktor Raimund Wünsche hat sich auch für Herakles, römisch: Herkules, etwas Besonderes ausgedacht. In der Zoologischen Staatssammlung "erlegte" er zwei Löwenfelle, um den Bezwinger des unverwundbaren Löwen von Nemea - "Herakles hat ihm eben d'Luft abdruckt" - gebührend zu würdigen. Diverse Keulen verweisen auf das andere typische Attribut des starken Kerls, des Sohns von Zeus und der von ihm getäuschten Alkmene. Der fleischgewordene Seitensprung wurde von Göttergattin Hera lebensbedrohlich verfolgt und musste auch sonst viel leisten, um nach Selbstverbrennung zum Olymp als Gott aufzusteigen.<BR><BR>Retter und Mörder<BR><BR>Die Vasenbilder, die man vor allem in etruskischen Gräbern fand, zeigen Herakles nicht nur als unbezwingbaren Kämpfer und raffinierten Trickser, sondern auch als von Hermes oder Iris beschirmten kleinen Wuzel, als umnachteten Kindermörder oder als Suffkopf. Er vereinigt, wie die Götter Griechenlands, Güte und Schrecken: Der Held rettete Prometheus, vergewaltigte Auge, diente als Sklave Omphale in Frauenkleidern - und konnte als "Schwarzarsch" verspottet über sich selbst lachen.</P><P>Geöffnet täglich außer montags. Tel. 089/ 59 98 88 30. Sehr guter Katalog: 28 Euro.</P>

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