Karlsruhe erlaubt G20-Protestcamp - aber stark eingeschränkt

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Helden zwischen den Fronten

- Das Votum für Dario Fo Anno 1997, drei Jahre später die Kür des Chinesen Gao Xingjian: Damit waren der Schwedischen Akademie der Wissenschaften Aufsehen erregende Entscheidungen gelungen. Doch J.M. Coetzee hatten nicht nur Experten schon lange auf der Liste. Der Preisträger selbst gab sich von der Favoritenrolle unberührt: "Ich habe den Anruf aus Stockholm heute früh um 6 Uhr erhalten", sagte er am Donnerstag. "Es war eine völlige Überraschung - ich wusste nicht einmal, dass die Bekanntgabe anstand." Im Vergleich zu anderen Kollegen, deren Produktion ganze Regal-Reihen füllen, ist das Werk des neuen Nobelpreisträgers für Literatur vergleichsweise schmal. Aber: Fast jeder von J.M. Coetzees Romanen (die in deutscher Übersetzung im Frankfurter S. Fischer-Verlag erscheinen) wurde prämiert.

<P>Die Bücher des Südafrikaners thematisieren die gesellschaftlichen Zustände seiner Heimat _ oft parabelhaft und allegorisch. Nicht von strahlenden Über-Helden erzählt er, sondern von einfachen Menschen, Ausgestoßenen, die einsam zwischen Fronten stehen, die auf der Suche nach Heimat sind, die zuweilen in den grausamen Sog der Geschichte geraten. "Seine Helden werden von der Sehnsucht zu siegen übermannt, aber gewinnen paradoxerweise Stärke dadurch, dass sie aller äußeren Würde entkleidet werden", befand denn auch die Akademie.</P><P>"Es war eine völlige Überraschung. Ich wusste nicht einmal, dass die Bekanntgabe ansteht."<BR>J.M. Coetzee</P><P>"Schande" ist eines der bekanntesten Bücher J.M. Coetzees, für das er 1999 zum zweiten Mal den Booker-Preis erhielt. Er beschreibt darin das Schicksal eines Universitätsprofessors, der nach sexueller Nötigung einer Studentin sein Amt verliert. Später wird seine Tochter von drei Schwarzen vergewaltigt _ als Rache für das Vergehen des Vaters.</P><P>Coetzee, über dessen Vornamen Geheimniskrämerei herrscht (wahrscheinlich John Maxwell), wurde 1949 als Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin in Kapstadt geboren. Er studierte Literatur und Mathematik, wohnte zeitweise in England und den USA und kehrte schließlich 1972 als Dozent an die Universität Kapstadt zurück, wo er ab 1980 als Professor für Literaturwissenschaften lehrte. Seit fast zwei Jahren lebt Coetzee im australischen Adelaide.</P><P>Sein literarisches Debüt war 1974 mit dem Erzählband "Dusklands". Zwei Jahre später veröffentlichte der Südafrikaner den Roman "Im Herzen des Landes", der Durchbruch gelang 1980 mit "Warten auf die Barbaren", ein typisches Beispiel für die literarische Gegenwartsbewältigung J.M. Coetzees. Er schuf hier eine Parabel auf den Apartheidsstaat, in dem willkürliche Verhaftungen, Folter, vorgetäuschte Hinrichtungen und heimliche Prozesse zum Tagesgeschäft gehören.</P><P>Ein Südafrikaner weißer Hautfarbe als Nobelpreisträger? Und dies schon zum zweiten Mal, nach der Kür Nadine Gordimers im Jahre 1991? Die Schwedische Akademie hat sich damit über Bedenkenträger in Sachen "politische Korrektheit" hinweg gesetzt, verlangten doch viele im Vorfeld, dass nun endlich auch ein Schwarzafrikaner ausgewählt werden müsse. Entscheidend waren also literarische Qualitäten, keine Quoten oder andere Erwägungen. Südafrikas Regierungspartei, der Afrikanische National-Kongress (ANC), knüpft an die Preis-Vergabe gar hohe Erwartungen: Nun könnten doch Verlage und Leser das enorme und weitgehend unberührte Potenzial des Kontinents entdecken.</P><P>Und dennoch: In Südafrika gibt es auch verhaltene bis kritische Reaktionen auf einen, den sich mancher wohl als "Nestbeschmutzer" denkt. Zwar liegt die demokratische Wende am Kap schon zehn Jahre zurück, doch das Land leidet noch immer unter dem Misstrauen zwischen Schwarz und Weiß, leidet auch an gewalttätigen Ausschreitungen, Massenarmut und einer hohen Analphabetenrate. Coetzees Kritik an der sozialen Situation trifft also heute immer noch - abzulesen an der wie peinlich berührten Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Nach rund zwei Stunden rangierte die Top-Meldung in Sachen Nobelpreis schon hinter den monatlichen Pkw-Verkaufszahlen.</P>

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