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Helene Fischer trat im Münchner Olympiastadion im Stil einer römischen Gladiatorin auf - und begeisterte ihre Fans restlos.

55.000 Fans feiern die Schlager-Queen

Helene Fischer singt, tanzt und fliegt im Olympiastadion

München - AC/DC, Metallica, jetzt Helene Fischer. Samstagabend, 20.35 Uhr: Der Schlagerstar entert die 52 Meter breite Riesenbühne im rappelvollen Münchner Olympiastadion. Wie eine römische Gladiatorin.

Update vom 23. Oktober 2016: Monatelang war sie nicht mehr im Fernsehen zu sehen. Am Samstagabend gab Helene Fischer ihr TV-Comeback bei "Schlagerboom".

Update vom 6. April 2016: Helene Fischer kann am Donnerstag beim "Echo 2016" die Rekord-Preisträgerin werden. Kurios: Bei den Nominierungen konkurriert sie mit den Brachial-Rockern "Böhse Onkelz" und mit zwei bereits verstorbenen Künstlern. Das müssen Sie zu Helene Fischer bein "Echo 2016" wissen. Über den "Echo 2016" berichten wir natürlich auch im Live-Ticker.

Update vom 23. Dezember 2015: Sie wissen noch nicht, was Sie am 1. Feiertag anschauen sollen? Wir haben einen Tipp: "Die Helene Fischer Show 2015" läuft wieder im ZDF.

Goldene Sandalen, goldenes Mikro, Butterblumen-gelbes Mini-Kleid, Mega-Schleppe, offenherziges Dekolleté, wehendes blondes Haar. „Unser Tag“ schmettert los. Davor Feuerwerk, Dampf und Konfetti. Was für ein Auftakt zu ihrem Münchner Konzert der Stadiontour!

Ja, was für ein Auftakt denn? Ist das hier noch (Schlager-)Pop? Oder bereits Porno? Fischer sieht umwerfend aus, aber muss sie all ihre Reize gleich ausspielen? Und sich später auch noch im Jeans-Overall billig räkeln? Willkommen in der polarisierenden Welt der Helene Fischer, in der man alles so oder so sehen kann. Ein Phänomen.

Zugegeben, was die 30-jährige Neu-Starnbergerin bei ihrem ersten Heimspiel in den folgenden gut zwei Stunden bietet, ist showtechnisch schon große Klasse. Nicht die Liga von Pink, aber Katy Perry lässt sie locker hinter sich. Sie legt im Vergleich zu ihren zwei spektakulären Konzerten Ende 2014 in der Olympiahalle noch eine Schippe drauf. Techniktricks, Lichtshow, Stunts, Stelzenläufer und eine charmante Helene in Topform. 1,58 Meter voller Power in verschiedenen Kostümen. Es gibt scheinbar nichts, was sie nicht beherrscht: Sie schwebt an Stahlseilen teils kopfüber durch das ganze Stadion. Lässt sich von halbnackten Männern auf Händen tragen. Stellt sich vor eine der riesigen Leinwände und macht ein Selfie mit dem Hunderte Meter weiter stehenden Besucher Christoph. Spielt Kamerafrau. Steigt aus einer Blume (Kitschalarm!). Lässt dank ihrer neuen App im dunklen Stadion Tausende Lichter im Takt glühen. Und singt dabei auch noch ohne jeden Schnaufer, trifft jeden Ton, ist jedoch vom Stimmvolumen her leider nicht stadiontauglich. Beispiel: das Cover von Grönemeyers „Männer“.

Helene Fischer: Volksmusik-affine Ehepaar und Rentner neben Ballermann-Touristen

Genau der Perfektionismus ist manchmal Gift für den Rock, den Pop. Die Open-Air-Show zum Jahrtausendalbum „Farbenspiel“ ist exakt durchgetaktet, somit steril-künstlich statt spontan-lässig. Auch das, was die in Sibirien geborene Musicaldarstellerin singt, ist ein Problem. Ihre Texte („Und morgen früh küss ich dich wach“), vorgetragen ohne erkennbare Selbstironie, sind wenig tiefgreifend, platt, nicht Show-tragend, allein Alltags-ablenkend und fast nur nach ein paar Bierchen zu ertragen. Wohl deshalb versucht das Multitalent sich zwischendurch immer an Liedern anderer. Das wieder nahezu perfekt. Endlich Musik mit Nachhall. Und cooler Band. Aber wer braucht eine sterile Fischer-Version der Tabaluga-Hymne „Ich wollte nie erwachsen sein“ (Nessaja), wenn diese Peter Maffay schon mit so viel Herzblut singt? Und wer braucht Helene für „The Rose“, wenn sowieso keiner Bette Midler dabei das Wasser reichen kann? Alles nur geklaut.

Da wären wir wieder bei der Polarisation: Denn die 55000 im Stadion – Volksmusik-affine Ehepaare und Rentner, einige Ballermann-Touristen, Geschäftsleute und viele junge, teils tätowierte Diskogänger – sind begeistert. Ohne Zweifel. Trotz Komplett-Bestuhlung. Überall glückliche, mitsingende, feiernde Menschen. Was für eine Atmosphäre. Gegen Ende des Konzerts sehen sie ihren Star mit wenigen Musikern auf einer zweiten, kleineren Bühne. Und dann, sozusagen als Ohrwurm für den Heimweg, bekommen sie auch noch den Feier-, Wiesn- und WM-Hit (oder besser: Nervhit?) schlechthin: „Atemlos“. Wie treffend. Allein dieses Wort schließt alle Reaktionen auf Helene Fischer ein: Wer atemlos ist, kann positiv oder negativ erregt sein. Darauf noch ein Feuerwerk.

Marco Mach

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