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Helge Schneider.

In der Philharmonie

Helge Schneider in München: Konzertkritik

München - "Weihnachten mit ­Helge Schneider" - so lautete das Motto für das Konzert in der Philharmonie. Der herrliche Helge erfüllte alle Erwartungen, die Erwartungen nicht zu erfüllen.

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt. Unter dem Vorwand „Weihnachten mit ­Helge Schneider“ lockte der Universal­humorist aus Mülheim an der Ruhr die Menschen in die ausverkaufte Philharmonie, in „einen der schönsten Örter auf diesem Gasteig-Gelände“. Dort erfüllte der herrliche Helge dann alle Erwartungen, die Erwartungen nicht zu erfüllen – und lieferte eine praktisch weihnachtsfreie Weihnachts-Show. Das machte aber nichts, denn der Abend bewies einmal mehr: Ob Weihnacht, Pfingsten oder Ostern, mit Helge ist’s am frohestern.

Okay, ein wenig Weihnachten war dann doch im Spiel. Denn der 58-Jährige sang Feliz Navidad, mit persischsprachigem Mittelteil. Ansonsten feierte der Scherzbengel die Premiere seines neuen Programms Pretty Joe & die Dorfschönheiten, das sich von seinen alten Programmen gottlob nur in Nuancen unterscheidet. Mit seiner vortrefflichen Altherren-Jazzkapelle schwoft sich Superhelge durch Klassiker von Duke Ellington bis Cole Porter. Und er nuschelt Selbstgeschriebenes wie Mr. Bojangles, sagt er, das er einst für Hansi Hinterseer komponiert hat …

Zwischendurch federt Löwenmensch Sergej Gleithmann gewohnt elastisch über die Bühne, und vom Meisenmann gibt’s auch neue Kunde: Er wurde von seiner ­mörderischen Lebensgefährtin, einer zwölfmal größeren Kuckucksfrau, aufgefressen. Aber nur im Traum.

Nach Pretty Joe will Schneider nun eine zweijährige Tourpause einlegen. Wer ihn in München erlebt hat, der weiß: Das darf nicht sein! Denn was gibt’s Schöneres als Helges Weihnachten ohne Weihnachten?

Jörg Heinrich

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