Helmut Newton ist tot

- Los Angeles/Berlin - Nach dem tödlichen Autounfall von Starfotograf Helmut Newton in Los Angeles haben Vertreter aus Politik und Kultur das Werk und Leben des Künstlers gewürdigt. Newton sei ein "großer Künstler und großartiger Mensch" gewesen, schrieb Bundeskanzler Gerhard Schröder an die Witwe. Die genaue Todesursache ist bislang noch nicht bekannt.

Mit dem Obduktionsergebnis sei frühestens am Montag zu rechnen, sagte Joyce Kato, eine Sprecherin vom "Coroners Office", der dpa. Der in Berlin geborene Fotograf hatte am Freitagmittag (Ortszeit) die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, als er den Parkplatz des Hotels Chateau Marmont am Sunset Boulevard verlassen wollte. Freunde vermuteten, der 83-Jährige könnte einen Herzinfarkt am Steuer erlitten haben. <P>"Seine zugewandte, offene Art, seinen lebensklugen warmherzigen Charakter werde ich immer in Erinnerung behalten", versicherte Kanzler Schröder (SPD) in seinem Beileidsschreiben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte: "Helmut Newton war ein großartiger Fotograf, wir verlieren einen Künstler von Weltrang." "Es ehrt Deutschland sehr, dass Helmut Newton, den man einst von hier vertrieb, die Hand zur Versöhnung reichte", schrieb Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) in einem Nachruf. Der französische Kulturminister Jean-Jacques Aillagon würdigte Newton als "international anerkannten und besonders talentierten" Künstler. "Einige seiner Bilder sind zu wahren Ikonen des 20. Jahrhunderts geworden und haben Fotografen und Künstler in aller Welt beeinflusst."</P><P>Zum Unfallhergang berichteten Augenzeugen, das Auto habe plötzlich beschleunigt, die Marmont Lane überquert und sei dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite in eine Mauer gerast. Die Frontseite des silberfarbenen Cadillacs wurde durch den Aufprall stark eingedrückt. Newton, ein bekennender Liebhaber luxuriöser Wagen, wurde in das Cedars-Sinai Medical Center gebracht, wo er wenig später seinen schweren Verletzungen erlag. Weitere Personen wurden nicht verletzt. Die Unfallursache wird noch untersucht. Newton hatte bereits 1971 eine Herzattacke erlitten.</P><P>Der berühmte Fotograf und seine Frau June, mit der er 55 Jahre lang verheiratet war, hatten das südkalifornische Los Angeles in den letzten 25 Jahren zu ihrem "Winterquartier" gemacht. Auch in diesem Jahr hätten sie sich wieder im Hotel Chateau Marmont niedergelassen, berichtete die "Los Angeles Times" am Samstag. Hauptwohnsitz des Paares war Monte Carlo. Wo sich Newtons Frau zur Zeit des Unfalls aufhielt, war zunächst nicht bekannt. Die Hotelleitung lehnte zunächst eine Stellungnahme ab.</P><P>"Ich habe selten jemanden erlebt, der das Leben so geliebt und der es so genossen hat wie Helmut und June", erklärte "Vogue"- Chefredakteurin Phyllis Posnick der Zeitung. Newton "war offen, großzügig, warmherzig und lieb. Er hatte ein tolles Leben." Freunde der Newtons beschrieben die Ehe des kinderlosen Paares als "große Liebesaffäre". Nach Angaben des New Yorker "Vogue"-Büros soll Newtons letzte Auftragsarbeit in der Märzausgabe des Magazins erscheinen. Die Aufnahmen zeigten ein Model in einem goldenen Badeanzug auf einem Bett aus Nägeln, hieß es.</P><P>Der 1920 in Berlin geborene Fotograf wurde vor allem mit seinen Mode-, Porträt- und Aktfotos bekannt. Seine eigenwilligen und manchmal auch schockierenden großformatigen erotischen Frauenbilder wie die "Big Nudes" werden von Museen in aller Welt gezeigt. Seine Aufnahmen erschienen in Magazinen wie "Vogue", "Elle" und "Playboy".</P><P>Er porträtierte Persönlichkeiten wie Bundeskanzler Schröder, Claudia Schiffer und Pierre Cardin. Im vergangenen Oktober überließ er der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin eine umfassende Fotosammlung, die in der ehemaligen Kunstbibliothek am Bahnhof Zoo untergebracht werden soll. Der geplante Eröffnungstermin am 3. Juni 2004 werde nun zum Gedenktag für einen der wichtigsten Vertreter der Fotokunst der Gegenwart, hieß es im Nachruf der Stiftung.</P><P>Feministinnen wie Alice Schwarzer warfen Newtons Bildern Frauenfeindlichkeit vor, weil sie voyeurhaft seien und die Frauen erniedrigend darstellten. Der Künstler selbst meinte, er zeige Frauen nur als starke Persönlichkeiten und nie als Opfer. Mit seiner Frau June, die er 1948 in Australien heiratete, arbeite er eng zusammen. Sie stand ihm anfangs Modell, wurde dann aber unter dem Künstlernamen Alice Springs selbst als Fotografin bekannt.</P><P>Newton, Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten und einer Amerikanerin, war 1938 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland zunächst nach Singapur geflohen. Später ging Newton, der mit deutschem Familiennamen zunächst Neustädter hieß, nach Australien, dessen Staatsbürgerschaft er erhielt.</P><BR><BR> 

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