Der Henne gehuldigt

- Es hat Seltenheitswert, dass sich ein Star nach seinem Soloauftritt beim nächsten Stück ins Orchester schmuggelt und aus Lust und Freude einfach weiter mitspielt. So geschehen im Konzert des Amsterdam Baroque Orchestra, das derzeit mit Yo-Yo Ma unter Leitung eines quirligen, geradezu kindlich begeisterten Ton Koopman auf Welttournee ist und sein einziges Deutschlandkonzert in der Münchner Philharmonie gab.

<P>Über Händels "Wassermusik" ist besser Stillschweigen zu wahren, diente sie doch eher als Aufwärmstück. Auch Haydns berühmtes zweites Cellokonzert in D-Dur war gewöhnungsbedürftig, vor allem im Kopfsatz. Yo-Yo Ma gestaltete die Exposition sehr zurückhaltend, fast im Orchesterklang verschwindend. Mehr Fülle entwickelte er ab der Kadenz. Schön melodisch ausgearbeitet hingegen das Adagio, in dem der Cello-Part an Kontur gewann. Yo-Yo Ma drängte sich als Virtuose nicht in den Vordergrund, sondern integrierte sich mit Musizierfreude ins Ensemble, wobei seine Unaufdringlichkeit fast zu dezent wirkte.<BR><BR>Nach der Pause präsentierten sich Solist und Orchester wie aus einer anderen Welt. Feinfühlig geriet der erste Satz von Vivaldis Konzert für Cello und Streicher in c-moll, RV 401. Hingebungsvoll mit dem Orchester korrespondierend, entwickelte Yo-Yo Ma den Mittelsatz, organisch-dynamisch schloss sich das furiose Finale an.<BR><BR>Für Yo-Yo Ma kein Grund zum Aufhören, er kam mit dem Ensemble wieder, um der Henne zu huldigen. Dass es in Haydns g-moll Symphonie "La Poule" wirklich um ein gluckendes Federvieh geht, präsentierte das Amsterdam Baroque Orchestra mit viel Humor. Yo-Yo Ma gefiel es sichtlich, er und die Amsterdamer dankten für die Bravi mit drei Vivaldi-Zugaben.<BR><BR>Eine CD mit Yo-Yo Ma und dem Amsterdam Baroque Orchestra ist bei Sony erschienen.</P>

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