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Herbert Grönemeyers Musik hört Katja Kraft privat schon lange – seit einigen Jahren beschäftigt sich unsere Redakteurin auch beruflich mit dem Werdegang des Künstlers. Das Foto entstand bei einem Interview im Dezember 2015.

Ausnahme-Musiker wir 60

Musikalischer Rückblick: Ein Leben mit Herbert

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München - Pop-Poet Grönemeyer feiert heute 60. Geburtstag – Zeit für unsere Autorin, auf persönliche Erinnerungen mit der Musik des Sängers zu blicken.

Manchmal muss man als Kulturjournalist private Anekdoten erzählen, um einen großen Künstler richtig zu würdigen. Hier sind zwei: Sommer 2003, die Autorin dieser Zeilen reist mit ihrem damaligen Freund nach Schottland. Der hatte ihr, dem Grönemeyer-Fan, zu Beginn der Beziehung erzählt, dass auch er den Herbert möge. Klar, mit „Flugzeugen im Bauch“ geht’s schonmal mit einem durch. Sie nimmt also sämtliche Alben mit auf die Reise: vom furchtbar kultigen, weil furchtbar schrecklichen „Grönemeyer“ (1979) über „4630 Bochum“ (1984), „Luxus“ (1990), „Bleibt alles anders“ (1998) bis zu diversen Liveaufnahmen.

Es musste irgendwo kurz vor Gretna Green gewesen sein – ein beliebter Hochzeitsort übrigens – als der arme junge Mann unvermittelt auf die Bremse trat. Nicht, um dem britischen Linksverkehr auszuweichen. Sondern um endlich eine große, nicht mehr aufrechtzuerhaltende Lüge aufzuklären. Lautstark brach es aus ihm heraus, das Unvermeidliche: „Ich kann ihn nicht mehr hören! Diesen Herbeeert.“ Das Fan-Sein – eine Täuschung, die nach zwölf Stunden Dauerbeschallung in Nordengland ihr jähes Ende fand.

Hier kommt Anekdote Nummer zwei, wieder ist ein Mann im Spiel: Der hat Karten für AC/DC im Münchner Olympiastadion. Grönemeyer singt parallel in der Olympiahalle. Der frisch Verliebte lässt die Hardrocker Hardrocker sein, verschenkt (!) die Tickets, um stattdessen mit der Autorin zu Herbert zu gehen. Der Kartenabreißer lächelt mitleidig: „Du hast für sie auf AC/DC verzichtet und gehst stattdessen mit zum Grönemeyer? Das muss Liebe sein.“

Und warum sind diese beiden Geschichten jetzt wichtig? Weil sie ganz gut auf den Punkt bringen, was Herbert Grönemeyer, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, auszeichnet: entweder man liebt seine Musik oder man verzweifelt daran. Bekennst du dich als Fan, gibt’s immer einen, der spontan anfängt mit mal mehr, mal minder amüsanten „Herr-Bert“-Imitationen.

Doch mag man sich auch lustig machen über seine dann und wann zu überambitionierten Satzkonstruktionen, über die er selbst am meisten spottet; mag man seine knödelige Art zu singen unerträglich finden – wer Grönemeyer live sieht, der kann nicht anders als mitzufeiern. Weil es ja viel zu einfach wäre, ihn auf seine Texte und den Gesang zu reduzieren. Er komponiert meisterhaft, am liebsten mit Orchester. Er hat sich über all die Jahre mit jedem Album weiterentwickelt. Wer einmal in die Platte „Grönemeyer“ – allein das Cover nebenher bemerkt eine echte Sensation – reingehört hat, wird in heute herrlich schräg klingenden Nummern wie „Pompeji“ oder „Ich bin ein Spieler“ nichts vom „Bleibt alles anders“- und „Mensch“-Erfinder wiederfinden.

Und deshalb gelang dem Herbert, was nur wenige andere schaffen würden: Der tapfere Schottland-Reisende, er ließ sich auf eines seiner Konzerte ein. Und siehe da: Begeisterung. So sehr, dass die Karten für das nächste Mal gleich bestellt wurden. Und der AC/DC-Freund? Sang bei „Alkohol“ und „Männer“ lauter mit als der Fan vor ihm mit Bochum-Schal um den Hals. Weil Grönemeyer weiß, wie er mit Leuten sprechen muss. Sich selbst nicht so ganz ernst nimmt. Und einen massenkompatiblen Sound macht, der trotzdem aneckt. In zwei Jahren soll das neue Album erscheinen. Ab Mai geht er wieder auf Tour. Nicht für jeden ein Grund zur Vorfreude. Für alle anderen aber das schönste Geschenk vom Geburtstagskind zum eigenen 60. Wir gratulieren!

Konzert: Herbert Grönemeyer spielt am 5. Juni auf dem Münchner Königsplatz. Karten unter 089/ 54 81 81 81.

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