Ein Herr von Humor

- Ab kommendem Mittwoch steht er wieder in München auf der Bühne: Jochen Busse spielt in der Komödie im Bayerischen Hof den Verwechslungsspaß "Das andalusische Mirakel".

Verzückt schaut Jochen Busse hinunter auf den Münchner Frühling vorm Bayerischen Hof. Er lebe ja jetzt wieder hier, erklärt der 66-jährige Kabarettist und Schauspieler, und er genieße jede Sekunde. Mit der Stadt an der Isar verbindet der geborene Iserlohner, den man vor allem aus dem Fernsehen kennt, eine Vergangenheit auf den Bühnen von Theater und Kabarett. Beides wird für ihn nun wieder Gegenwart.

Er brauche das Theater, betont Busse, und finde, "dass ein Zuschauer auch hin und wieder mal die Versicherung haben muss, dass man mit Recht im Fernsehen auftritt, dass dahinter auch ein Beruf steht, die ursprüngliche Keimzelle des Darstellers".

Ab September kehrt Busse dann nach sechzehn Jahren (1976-’91) neben Henning Venske in die Lach- und Schießgesellschaft zurück. Das politische Kabarett besitzt für ihn sehr viel Gewicht: "Ich glaube, eigentlich ist alles und jeder politisch, und das musst du in allen Figuren, allen Stücken auch anklingen lassen."

"Das Andalusische Mirakel" ist die zweite Komödie, die die TV-Autoren Lars Albaum und Dietmar Jacobs dem Schauspieler auf den Leib geschrieben haben. "Ich bezieh‘ gern die Leute ein", begründet der, "und ich liebe den Bruch, aus einer Rolle raus und wieder rein zu gehn und den Leuten da unten zu sagen: Das, was wir hier oben machen, ist nicht das Abbild der Welt, das ist dafür da, damit ihr euch unterhalten fühlt, damit ihr lacht". Obendrein feile er immerzu an der "Tagesaktualität". "Das hab’ ich abgeguckt von den alten Possen, und ich finde, es gehört zum bürgerlichen Lachtheater dazu." Lieber noch als aus den Zeitungen filtert Busse sie aus mündlichen Berichten. "Weil eine Aktualität davon lebt, dass es alle kennen, dass es sich rumgesprochen hat, und das geht nicht unter drei Wochen."

Ein Witzwissenschaftler und Witzphilosoph ist dieser Busse, mit seinem heimlichen Schmunzeln, im eleganten Anzug. Kein pausenloser Pausenclown, wie man ihn als Fernsehzuschauer vielleicht erwartet, sondern ein wortwendiger, erfahrener Herr von Humor.

Apropos: Hat sich unser Humor verändert? "Die Dinge resultieren ja doch großenteils alle aus dem Begriff der Liebe", holt Busse aus. Der Humor habe sich mit unserer Vorstellung von Erotik geändert. "Die neue Offenheit schafft natürlich auch neue Tabubrüche. Diesen ganzen amerikanischen Humor, der auf Impotenz, Menstruation, Orgasmus basiert, den können Sie jetzt hier einführen, das war doch früher gar nicht denkbar!"

Im "Andalusischen Mirakel" spielt Busse einen griesgrämigen, egozentrischen Alten, der sich das letzte Zimmer einer südspanischen Dorfpension mit einer lebenslustigen jungen Frau teilen muss und dort durch ein plötzliches Wunder seinen Körper mit dem ihren tauscht. Busse: "Dass dieser Chauvi in einem Mädchen landet, ist schon auch eine Läuterung."

47 Jahre Lacherfahrung ­ sicher ist sich Busse trotzdem nie. "Man weiß, da ist ein Lacher, den müssen wir entzünden. Und dann plötzlich ist aber kurz vorher ein ganz anderer, mit dem man nicht gerechnet hat, und der, den man gezündet hat, ist weg. Ein Hattrick auf dem Boulevard oder im Kabarett ist etwas ganz Seltenes. Wenn der erste ein bisschen stärker ist, dann ist der zweite schon nicht mehr so und beim dritten sagt man: Ich hab ja schon gelacht. Es sei denn, Sie steigern sich."

Bei all den Lachern, ein Leben lang ­ wo hört der Spaß auf? "Ich will Ihnen was sagen", lebhaft rutscht Busse auf die Sesselkante vor, "ich bin immer noch nicht zufrieden. Ich mach‘ immer noch manche Witze mit nicht so gutem Gewissen, weil ich denke, sie könnten besser sein, sie könnten subtiler sein, sie könnten erfahrener sein, sie könnten knackiger\x0f.\x0f.\x0f.\x0f sie könnten wirklich komischer sein. Ich bin immer noch auf der Suche nach der absoluten, über alle Zweifel erhabenen Komik."

Liegt das an den Komödien oder an ihm selbst? "Das liegt an vielen Dingen", weiß der, der an die Kraft des Wunsches, aber nicht an Zufall glaubt, "das liegt auch an mir. Vielleicht geht das auch gar nicht, aber ich möchte gerne das absolut Komische in jedem Zuschauer zum gleichen Zeitpunkt erwecken."

So denkt der 66-Jährige partout nicht ans Aufhören. "Ich würde sofort alt, wenn ich aufhörte. Ich habe es festgestellt, es ist furchtbar. Ich sage Ihnen, dass Einzige, was Leute jung hält, ist Herausforderung, ist Gebrauchtwerden, ist Denken, ist Auswendig-lernen-Müssen, ist Die-Beine-Hochkriegen, Übern-Tisch-springen-Müssen. Nur wenn es von Ihnen verlangt wird, tun Sie‘s, und nur wenn Sie‘s tun, können Sie‘s!"

Das erste Mal auf die Bühne gesprungen ist der 19-jährige Busse als fest engagierter Komparse an den Münchner Kammerspielen: in Fritz Kortners Inszenierung des "Timon von Athen". Damals begann er auch mit dem Kabarett, wo ihn Friedrich Hollaender entdeckte. "Der nahm mich dann mit nach Berlin." Und jetzt? Eine Rolle, ein Stück, das er spielen möchte? Busse schüttelt den Kopf. "Ich bin ja immer eher eingesprungen..." Lieber lasse er alles auf sich zukommen.

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