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Dirigent Enoch zu Guttenberg.

2016 womöglich zum letzten Mal

Aus für die Herrenchiemsee-Festspiele?

München/Prien - Die Herrenchiemsee-Festspiele von Dirigent und Intendant Enoch zu Guttenberg werden im kommenden Jahr möglicherweise zum letzten Mal stattfinden.

„Wir haben noch immer keinen Ersatz für unseren bisherigen Hauptsponsor gefunden“, sagte Guttenberg der Deutschen Presse-Agentur. „Nächstes Jahr wird es noch einmal ein attraktives Programm geben, weil wir bereits Verträge abgeschlossen haben. Doch für die Zeit danach sieht es düster aus.“ 2016 steht das Festival auf der Herreninsel im oberbayerischen Chiemsee unter dem Motto „Nachtmusiken“.

Die in Turbulenzen geratene Deutsche Bank hatte die Festspiele seit 2004 mit insgesamt zwölf Millionen Euro unterstützt. Zuletzt war der Beitrag von 1,2 Millionen Euro pro Jahr auf nur noch 150 000 Euro zusammengestrichen worden. „Diese Lücke können wir nicht kompensieren“, sagte Guttenberg. Weil man dem internationalen Geldhaus einst den Rang eines exklusiven Sponsors zugesichert habe, sei man nicht rechtzeitig auf die Suche nach anderen möglichen Unterstützern gegangen. Dies räche sich nun, sagte Guttenberg.

Unsicher ist laut Guttenberg auch, ob der Freistaat seinen Zuschuss über 2016 hinaus verlängern werde. Der Freistaat fördert das Festival seit 2013 als kulturelles „Leuchtturmprojekt“ im Regierungsbezirk Oberbayern mit 800 000 Euro jährlich. Ob dieser Beitrag auch im Doppelhaushalt 2017/2018 enthalten sein werde, hänge von den nächsten Haushaltsverhandlungen ab, heißt es aus dem Kunstministerium.

Dirigent Enoch zu Guttenberg hatte die Herrenchiemsee-Festspiele 2002 aus der Taufe gehoben und als anspruchsvolles Konzeptfestival mit bedeutenden Künstlern und Ensembles fest etabliert. Furore bei Publikum und Kritik machten insbesondere Guttenbergs eigene, halbszenische Opernaufführungen im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemsee, dem von „Märchenkönig“ Ludwig II. errichteten „bayerischen Versailles“. Darunter seine Adaption von Mozarts „Zauberflöte“ als heiter-hintersinniges, höfisches Opernspektakel.

Die Herrenchiemsee-Festspiele 2016 im Spiegelsaal, dem unvollendeten Treppenhaus des Schlosses und dem Münster Frauenchiemsee dauern vom 12. bis 24. Juli. Guttenberg selbst interpretiert mit seinem Orchester KlangVerwaltung unter anderem ein Kantatenprogramm von Johann Sebastian Bach, Antonin Dvoráks „Requiem“ und Johannes Brahms' „Deutsches Requiem“. Das Orchestre de Champs Elysées gastiert unter Leitung von Philipp Herreweghe mit Anton Bruckners 6. Symphonie. Eine konzertante Opernaufführung gibt es aus Kostengründen nicht mehr.

dpa

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