Von Herz zu Herz

- Auch nach sieben Jahren noch weht ein böser Geist durch Peter Mussbachs "Fidelio"-Inszenierung. In seiner 1999 entstandenen Deutung der Beethoven'schen Revolutionsoper, die das Nationaltheater im Endspurt der Münchner Opernfestspiele wieder gezeigt hat, versteckt sich der Terror hinter der kalten Pracht monumentaler Bühnenbauten.

Machtdemonstration verlangt nach hohen Mauern, in deren Schatten sich der Mensch viel einfacher und unauffälliger zum Objekt staatlichen Willkürhandelns herabwürdigen lässt.

Klein und verloren wirkten das Ensemble auf Peter Mussbachs Bühne dennoch nicht. Wie sollte man sich das bei Sängern wie Matti Salminen oder Peter Seiffert auch vorstellen? Große Stimmen und ein großes Thema - und die Magie einer denkwürdigen Aufführung. Die "namenlose Freude", zu der sich Waltraud Meier und Peter Seiffert als heroisches Paar Leonore und Florestan im zweiten Akt aufschwangen, hatte hier etwas besonders Ergreifendes, das nicht allein auf den herausragenden stimmlichen Qualitäten der Protagonisten beruhte.

Die Darstellung der großen Freiheitsvision führte im Laufe des Abends zu einem emotionalem Einverständnis zwischen Ausführenden und Publikum, das in dieser Intensität nicht oft im Theater zu erleben ist und wie die Einlösung jener Formel wirkte, die Beethoven seiner "Missa Solemnis" voranstellte: "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen!"

Einen beträchtlichen Teil hierzu trug die Leistung des Staatsorchesters unter der Leitung von Zubin Mehta bei. Es gestaltete die in den zweiten Akt integrierte dritte "Leonoren-Ouvertüre" zwar oft sehr plakativ, aber mit einer solchen Sprengkraft, dass ihm das Publikum den tosenden Zwischenapplaus nicht schuldig bleiben durfte. Überhaupt wurde viel geklatscht: für Matti Salminen, der seinen Rocco mit großer Ernsthaftigkeit und Tiefe ausstattete, für die hell und kraftvoll intonierende Aga Mikolaj als Marzelline - und für Juha Ussitalo, der mit sinistrem Bass einen wahren Dämon von Pizarro erschaffen hatte.

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