Ehe für alle? Merkel rückt vom Nein der CDU ab

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Das Herzrasen hört niemals auf

- Das sind gleich mehrere Debüts für Sunnyi Melles, aller guten Dinge sind drei: Zum ersten Mal steht sie im Residenztheater auf der Bühne; zum ersten Mal spielt sie Tschechow; zum ersten Mal ist eine Frau ihre Regisseurin. Geradezu enthusiasmiert, trotz vorangegangener Endprobe und 34 Grad Hitze, erscheint die Schauspielerin frisch und geistesmunter zum Interview, noch immer ganz gefangen genommen von diesem Stück, das morgen Premiere hat: "Onkel Wanja" in der Regie von Barbara Frey - mit Rainer Bock in der Titelrolle, Thomas Holtzmann, Anna Schudt, Stefan Hunstein u. a. Die Rolle der Jelena, jener Frau, die alle lieben und die mit ihrer lasziven Trägheit das Landleben ziemlich durcheinander wirbelt, spielt Sunnyi Melles.

<P>Wie ein Girlie sieht sie aus - mit engen Hosen, ein bisschen bauchfrei, Stöpsel im Ohr, knöchelhohen Turnschuhen. Im Kontrast dazu ihr schönes, offenes Gesicht, fraulich reif und mädchenhaft naiv zugleich, freundlich, nachdenklich und lachbereit. Ganz offensichtlich tut es ihr gut, nach über zweijähriger Pause wieder mitzumischen im Münchner Theaterleben, aktiv dazuzugehören zu Dieter Dorns, zu ihrem alten Ensemble. <BR><BR>"Ganz jungfräulich" sei sie herangegangen an ihren ersten Tschechow und entdeckte dabei die ungeheure Aktualität des Stücks: "Jede Figur hat hier ihre Sehnsucht und ihren Frust, jede spricht über die Liebe, die Probleme sind immer die gleichen. Das ist alles so menschlich. Die rasende Gegenwart - das ist es, was Tschechows Figuren sich scheuen wahrzunehmen. Sie reden nur davon, wie es war und wie es sein könnte. Sie genießen ihre Traurigkeit." Und ein bisschen davon habe sie schließlich auch in sich, denn: "Das absolute Glück hält man ja auch nicht aus."<BR><BR>"Es geht um die Existenz. Es geht um die Liebe. Und es geht um die eigene, abgründige Lächerlichkeit."<BR>Sunnyi Melles</P><P>Aber im Moment genießt Sunnyi Melles das Glück der Proben, das Glück der Risikobereitschaft, sich den Partnern auf der Bühne und dann auch dem Publikum preiszugeben: "Die ganzen Intimitäten, die eigene Verliebtheit und Frustriertheit - bis zur eigenen, abgründigen Lächerlichkeit. Es geht um die Existenz. Es geht um die Liebe. Darum geht's immer."<BR><BR>Ihre Liebe aber kann Tschechows Jelena, falls sie überhaupt liebt, nicht leben. Oder gibt es für die mit einem alten Mann verheiratete junge Frau vielleicht doch noch Hoffnung auf ein Zusammenkommen mit Astrow, dem verwegenen Arzt? Dazu will sie sich nicht äußern:<BR>"Am Ende des Stücks werden Sie sehen, wie ich reagiere. Da haben Sie dann die Antwort." Grundsätzlich aber - und das kommt Sunnyi Melles' eigener Lebenseinstellung sehr entgegen - bestehe wie bei Shakespeare auch bei Tschechow immer Hoffnung, "selbst wenn man nicht erlöst wird. Denn Erlösung gibt es nicht."<BR><BR>Viel Lob hat die Schauspielerin für ihre Regisseurin übrig, von der sie sich "kreativiert" fühlt und der ihr absolutes Vertrauen gehört. Das muss sein, denn "auf der Probe stößt man doch bei sich selbst in Bereiche vor, von denen man sagt: O Gott . . . In diesem Moment schenke ich dem Regisseur etwas von mir, das ich selbst noch nicht kenne, etwas, das er noch nicht kennt. Das ist der Moment, wo es spannend wird. Aber es wird nicht leichter dadurch." Lachend fügt sie hinzu: "Und zum Schluss sieht alles ganz normal aus. Man darf sich beim Spielen nicht erwischen lassen."<BR><BR>Vermutlich geht es ja so jedem Schauspieler. Acht Individualisten auf der Bühne. "Doch Barbara Frey hat uns zu einem Team geformt, wir halten zusammen." Das sei überhaupt das, was einen guten Regisseur ausmache: "Wie im Zirkus. Wenn der Dompteur einmal weg ist, fallen alle Löwen übereinander her." Ob Sunnyi Melles sich wohl bewusst ist, dass man - nach ihrer langen Bühnen-Absenz - bei der "Wanja"-Premiere hohe Erwartungen an sie knüpft? "Ich weiß nicht. </P><P>"Das ist wie Superstar. Dieser Wettbewerb hört nie auf. Man wird immer noch für Rollen gecastet."<BR>Sunnyi Melles</P><P>Man ist immer nur so gut wie die letzte Rolle. Ich kann mir ja die früheren Erfolge nicht hinhängen. Letzten Endes ist unser Beruf genauso wie ,Deutschland sucht den Superstar. Diese Show spiegelt unsere Existenz wider. Als ich mich damals beim Vorsprechen an der Falckenbergschule unter 700 Mitbewerbern durchsetzen musste, hätte man das auch filmen können. Das  ist genauso interessant. Das ist Chorusline. Noch heute wird man gecastet, ob man für eine Rolle zu dick, zu groß, zu dünn, zu klein ist, ob die Nase schief ist, der Mund zu voll, der Busen zu flach. Dieser Wettbewerb hört doch nie auf. Er wird täglich geführt."<BR><BR>Auch vor den Zuschauern. Darum höre das Herzklopfen nie auf, "ach, was sage ich, das Herzrasen. Aber man spielt doch für die Zuschauer. Nur für sich spielen, das wäre zu blöd'." Letztlich tut Sunnyi Melles das, wenn sie Text lernt, auch zu Hause nicht. "Meine Kinder", sagt sie, "wissen schon sehr viel von der Jelena. Sie lieben das, wenn sie lernen müssen, dass auch die Mama üben muss." </P>

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