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Anna Netrebko.

Netrebko

Mit Herzschmerz zum Triumph

München - Das ist neu, zumindest im Star-Ernstfall. Keine Arien-Häppchen mit Humtata-Ouvertüren als Sättigungsbeilage, nein: Eine ganze Oper, Tschaikowskys letzte, sollte es sein als Tour-Programm für ein Dutzend Städte.

Doch die Gleichung mit vielen Unbekannten – kein Künstlername bis auf Anna Netrebko ist in München geläufig – geht auf. Die Philharmonie ist bei Kartenpreisen bis zu 229 Euro fast ausverkauft. Und am Ende versteht man, warum der Einakter „Iolanta“ laut Diva zu den beliebtesten Stücken ihrer Heimat gehören soll.

Die Netrebko, die sonst (und leider gern) auf Belcanto-Irrwegen wandelt, ist hier ganz bei sich. Größer, wärmer, vieldimensionaler ist ihr Sopran geworden, kaum eine Spur mehr vom einst verschatteten, kühlen Klang, der sich durch Orchester und Säle fräste. Mühelos und üppig öffnet sich die Stimme nun in der oberen Lage. Ein Gesang zwischen feinstem Melos und vokalem Triumph. Und je tiefer die Russisch-Österreicherin in die Herzschmerz-Partie der Iolanta eintaucht, desto länger wird der Fan-Wunschzettel: Elsa, Manon Lescaut, Leonora – kommt ja alles, teilweise sogar in München.

Vom blinden Mädchen, das durch die Kraft der Liebe wieder sehen kann, handelt der Neunzigminüter. Doch dafür muss sie erst den Richtigen finden, der ihr eigentlich Versprochene zieht sich dafür ritterlich zurück. Naserümpfen ob der Kitschgefahr ist unangebracht, deutsche Komponisten pflegen in derselben Zeit schließlich Blutrünstiges à la „Elektra“ abzuwickeln.

Doch die Netrebko wird von den größtenteils osteuropäischen Kollegen nicht nur garniert. Fast jeder ist eine Idealbesetzung. Sergey Skorokhodov als Vaudemont (damit Iolantas Liebster) mit seinem belastbaren, beherzt eingesetzten Tenor, Bassist Vitalij Kowaljow als König René mit großer stimmlicher Autorität, ebenso wie Alexey Markov (Robert) als Iolantas ursprünglich vorgesehener Gatte. Es gibt ein imponierendes Hofdamen-Trio (Monika Bohinec, Theresa Plut, Nuka Rojko). Und aufgezählt werden müssen alle, weil solch Solisten dem Stimmfan jederzeit wieder begegnen könnten – und sollten. Dirigent Emmanuel Villaume und die Slowenische Philharmonie liefern dazu die Klanggrundierung in Warmtönen. Ein Riesenerfolg. Als Inszenierung mag man sich das Rührstück freilich weniger vorstellen.

Markus Thiel

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