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Wolfgang Heubisch

Heubisch: „Ich erwarte mir Pfiffiges“

München - Kunstminister Wolfgang Heubisch spricht im Interview über die Nachfolgefrage am Gärtnerplatz und die Konzertsaal-Debatte.

Zwei kulturpolitische Baustellen hat er in München gerade zu bewältigen - im übertragenen Sinne. In der Konzertsaal-Debatte warnt Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) vor übertriebener Eile und bringt mit dem Pinakotheken-Areal gleichzeitig einen weiteren Standort ins Spiel. Und in Sachen Gärtnerplatz, wo nach einem Nachfolger für Intendant Ulrich Peters gesucht wird, nennt Heubisch zwar keine Namen, umreißt aber einige Eckwerte.

-Wie muss das zweite Opernhaus einer Stadt positioniert sein?

Mir ist klar, dass dies im Schatten der Staatsoper, die mittlerweile zu den Spitzenhäusern der Welt gehört, schwer ist. Ich will das Profil des Gärtnerplatztheaters nicht haarklein vorgeben. Was ich aber will: Das junge Publikum liegt mir sehr am Herzen. Dieses muss nachhaltig ans Haus herangeführt werden, das kann sich nicht in Besuchen von Schulklassen erschöpfen. Außerdem erwarte ich mir Pfiffiges, auch mal Ultramodernes.

-Also was ist zu tun? Klaus Schultz wollte in seiner Ära eine Art kleine Staatsoper realisieren. Das Theater an der Wien arbeitet ohne eigenes Ensemble. Die besten Zeiten des Modells Gärtnerplatz wie unter Kurt Pscherer kommen doch nicht wieder.

Es ist schon richtig, dass man dort voraussichtlich nicht auf so hohe Auslastungszahlen wie jetzt an der Staatsoper kommen kann. Dennoch gibt es in dieser Sache dort etwas zu tun. Aber wie ein Theaterkritiker die Stücke nicht selbst schreibt, so werde ich kein künstlerisches Konzept vorgeben. Dies ist die Aufgabe des zukünftigen Intendanten oder auch der Intendantin. Wir werden auf dieser Grundlage entscheiden.

-Ein Chefwechsel in einer so gefährlichen Phase wie jetzt vor dem großen Umbau?

Ich glaube, das ist sogar eine Herausforderung. Es gibt ja Ausweichspielstätten. Prinzregententheater, Cuvilliéstheater, das Theaterzelt des Deutschen Theaters, auch außerhalb Münchens, das sind einige spannende Optionen.

-Hatten Sie also, als Sie den Vertrag von Ulrich Peters nicht verlängerten, einen Plan B?

Sie können davon ausgehen, dass sich immer wieder Interessenten hier melden - gar nicht bezogen auf eine eventuelle Nicht-Verlängerung des Intendanten. Außerdem spricht man ja, auch in allen anderen Kunst-Bereichen, mit vielversprechenden Persönlichkeiten. Eines will ich aber klarstellen: Es gibt keine Pläne, irgendetwas aufzugeben.

-Nikolaus Bachler übernimmt also nicht auch noch das Gärtnerplatztheater.

Bestimmt nicht. Ich weiß nicht, wo solche Gerüchte herkommen. Auch das Ballett des Gärtnerplatztheaters bleibt erhalten.

-Nikolaus Bachler sagte neulich bei uns im Interview, Operette und das klassische Musical seien ohnehin bald tot...

Das sehe ich differenzierter. Warum sollte eine „Westside Story“ nicht auch heute noch der Jugend etwas sagen können? Man muss das nur attraktiv umsetzen. Und man muss daneben auch die Interessen des Stammpublikums sehen.

-Braucht München, diese namensverliebte Stadt, an der Spitze des Gärtnerplatztheaters einen Promi?

Nicht unbedingt. Prominenz ist außerdem etwas sehr Relatives. Natürlich: Wenn ich einen jungen Kandidaten nehme, muss der in diesem Segment einen gewissen Bekanntheitsgrad und vor allem Zukunftspotenzial haben.

-Bleibt Chefdirigent David Stahl am Gärtnerplatz?

Er hat ja noch seinen Vertrag. Prinzipiell gilt für mich: Oberste Entscheidungsinstanz an einem Haus ist der Intendant. Ich kann als Minister einen Kandidaten als Intendanten aussuchen. Dieser entwickelt dann ein Konzept und trifft die Personalentscheidungen.

-Zweites Thema: Die Stadt hat die große Gasteig-Sanierung aus Finanzgründen aufgegeben. Ändert dies etwas an Ihren Konzertsaal-Planungen?

In gewisser Weise ja. Ich pflege ein sehr gutes Verhältnis zu Oberbürgermeister Christian Ude, auch bei anderen Projekten. Bei weiteren Planungen werden wir in jedem Fall intensive Gespräche mit der Stadt München führen.

-Kurt Faltlhauser vom Marstall-Verein meinte, eine staatliche Beteiligung an einem städtischen Projekt könne es schon aus rechtlichen Gründen nicht geben.

Aber sicher wäre das möglich. Es gibt doch ständig Zuschüsse von staatlicher Seite, beispielsweise an kommunale Theater. Das Staatstheater in Nürnberg zeigt, wie Staat und Kommune sich auch rechtlich verbinden können. Ich stand dem Marstall skeptisch gegenüber, aus Platz- und Denkmalschutzgründen. Ich weiß aber auch: Eine kunstbegeisterte Stadt wie München wünscht sich einen optimalen Konzertsaal. Ich hätte gern einen sehr guten Saal in München in Absprache mit der Stadt. Dass der Ministerpräsident nicht grundsätzlich abgeneigt ist, hat er ja mit seinem Prüfauftrag für den Marstall gezeigt.

-Könnten Münchner Philharmoniker und BR-Symphonieorchester wirklich gemeinsam im Gasteig untergebracht werden, allein schon von der Terminplanung her?

Dazu bräuchte man erst ein tragfähiges Konzept der Stadt, mittelfristig wurde ja wegen der massiven Steuerausfälle abgewunken.

-Also doch Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Der Staat hat sich ja bewegt, als er sagte: Marstall nein. Auch Mariss Jansons hat mir bereits signalisiert, dass er sich andere Standorte vorstellen könnte.

-Was halten Sie vom Standort Finanzgarten?

Der liegt im Zuständigkeitsbereich des Finanzministeriums. Ich besichtige demnächst das Gelände noch einmal. Es scheint aber problematisch zu sein. Es gibt alten Baumbestand und auch Bodendenkmäler, die geschützt werden müssen. Es gibt vieles, was man prüfen muss. Auch was der Tunnel schräg darunter für Auswirkungen hätte. Ich habe aber noch einen anderen Platz im Kopf: das Areal neben dem Brandhorst-Museum. Die dortigen Uni-Gebäude stehen mittel- bis langfristig zur Disposition. Das Pinakotheken-Areal muss abends belebt werden. Außerdem ist eine verkehrstechnische Entwicklung erforderlich.

-Lässt sich das Projekt in derart schwierigen Zeiten eigentlich nach außen verkaufen?

Ich glaube schon. Weil die Münchner kunstbegeistert sind. Außerdem: Es ist immer die falsche Zeit für große Projekte. Klar ist aber auch: In der momentan angespannten finanziellen Lage ist ein neuer Konzertsaal eine Vision, kein aktuelles Projekt.

-Wie sieht also der nächste Schritt aus?

Ich trage noch einmal dem Ministerrat die Problematik vor und werde sicher mit Oberbürgermeister Ude, dem designierten BR-Intendanten, Mariss Jansons und dem Marstall-Verein reden. Aber wie gesagt: Dies ist kein Projekt, das morgen auf der Agenda steht. Ich spüre da überhaupt keinen zeitlichen Druck.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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