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Minister Wolfgang Heubisch beim Interview auf der Schaustelle; nicht nur der Hopfen begeistert ihn.

Heubisch: „Ich bin genau der Richtige“

München - Kunst- und Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch spricht im Interview über die Sanierung von Museen und den neuen Konzertsaal.

In zwei Monaten ist Landtagswahl, und einer, der in der nächsten Legislaturperiode gerne wieder mitmischen würde, ist Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). An diesem Samstag wird er 67 Jahre alt. Vor dem Interview muss der Minister erst mal Sport mit Kunst verbinden – am besten auf der Schaustelle neben der Baustelle Pinakothek der Moderne, wo man Tischtennis mit der Kunst spielen kann.

Warum soll man Sie wieder wählen?

Weil München eine zutiefst liberale Stadt ist  und auf hohem Niveau Kunst erleben will. Ich bin als gebürtiger Münchner, der seine Stadt kennt, genau der Richtige.

Wobei Sie doch mit Ihrem Festhalten an den Studiengebühren genau falsch lagen…

Das war meine einzige und schwere politische Niederlage, das gebe ich offen zu.

Ägyptisches Museum und Filmhochschule sind für rund 100 Millionen Euro gebaut, jetzt steht die Sanierung der Neuen Pinakothek an. Wie teuer wird’s?

Wir rechnen mit 75 Millionen Euro.  Noch heuer soll der Planungsauftrag stehen. Die Zustimmung der Obersten Baubehörde haben wir, die vom Finanzministerium fehlt noch.

Sind dem Wähler die Kosten vermittelbar?

Ja.  Wenn man eine reiche Kulturlandschaft hat und will, muss man  sie  intensiv  neugestalten. Ich  kann  ja Museen nicht schließen. Zudem war  die  Sanierung  der Neuen Pinakothek schon lange aktuell.

Warum dann jetzt erst?

Weil ich nicht alles sofort durchsetzen kann. Ich  muss ja als Kunst- und Wissenschaftsminister zwischen beiden Ressorts ausgleichen, zudem zwischen  Stadt München und Region.

Was steht noch an?

Die Archäologische Staatssammlung wird wohl 20 Millionen kosten. Und wenn es nach mir persönlich geht: Ich wünsche mir, dass die Antikensammlungen neu gestaltet werden.

Wie hoch müssten dort die Kosten veranschlagt werden?

Etwa zehn Millionen. Wir verfügen hier über eine der drei bedeutendsten Vasensammlungen der Welt! Fehlt noch die Musikhochschule in der Arcisstraße. Die Sanierung des maroden Kellers kostet etwa drei Millionen, das gesamte Haus wird nicht billig: gefühlte 30 Millionen. Der Brandschutz treibt die Kosten massiv in die Höhe.

Bleiben wir bei der Musik: Eines der bedeutendsten Ensembles der Welt, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, steht noch immer im Regen bezüglich eines angemessenen Konzertsaals. Müssen Sie den Kongresssaal als Standort begraben?

Nein! Für mich ist der Standort immer noch machbar. Der Verwaltungsrat des Deutschen Museums ist dafür, das Kuratorium dagegen. Aber es gibt keine Funkstille, und ich spüre, dass dessen Haltung aufweicht.

Das Orchester glaubt selbst nicht mehr dran.

In München dauert’s immer lang.

Aber was wäre etwa mit  dem  Finanzgarten?

Wir haben die Bewertung der Arbeitsgruppe: hoch problematisch! Zudem benötige ich da erst einmal die Stadt München – und ein Dreivierteljahr vor der Wahl brauche ich damit gar nicht erst ankommen. Den Englischen Garten, wie gerade aufs Tapet gebracht, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Viele Münchner fragen sich, ob ein neuer Konzertsaal überhaupt sein muss.

Der Münchner will stolz sein auf seine Stadt, er will sie herzeigen. Siehe Staatsoper: Die zählt zu den fünf, sechs führenden Opernhäusern der Welt.

Wobei die diesjährigen Festspiele mit nur einer großen Premiere aufwarten.

Ich glaube, dass Oper von Stimmen getragen wird. Die Leute wollen die Stars hören, und die gibt es unter der Intendanz Bachler zuhauf.

Weniger tolle Aufführungen gab’s unter dem scheidenden Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Dazu will ich nichts sagen, aber er hatte seine Fangemeinde, keine Frage.

Und wie ist die Stimmung im Orchester beim Neuen ab dem Herbst, Kirill Petrenko?

Ich habe noch nie so ein Feedback bekommen. Wahnsinn! Er wird wie ein Heilsbringer bejubelt. Meine Freundin hat im Zug mal mitgekriegt, wie sich Petrenko mit Orchestermusikern unterhalten hat. Das war unglaublich, sein Einfühlungsvermögen…

Was wünschen Sie sich von Petrenko, das Nagano nicht hatte?

Mehr Emotion.

Nochmals die wichtigsten Punkte für die nächste – mögliche – Amtszeit?

Das Projekt Konzertsaal, Renovierungen der angesprochenen Museen – und ich will Bayern zum Wissensland Nummer eins in Deutschland machen. Ich will einen jährlichen fünfprozentigen Finanzierungsanstieg für Unis, Hochschulen, Kunsthochschulen, wie es etwa das Max-Planck-Institut bekommt. Wir müssen unser Standing auf dem Weltmarkt behalten.

Das Gespräch führte Matthias Bieber.

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