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Alles ist erleuchtet! Auf „LSD-Blotters“ wie diesem wurde das LSD aufgebracht. Timothy Leary gilt als der Guru, der in den Sechzigerjahren unter dem Deckmantel der Wissenschaft mit dem neuen Stoff experimentierte.

T.C. Boyles neuer Roman „Das Licht“

Die LSD-Äffchen

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Neu auf dem Markt: T.C. Boyles Roman „Das Licht“ über die Anfänge der Hippie-Bewegung, Sex und LSD.

Klar möchte man wissen, was da denn nun passiert. Am Strand, im Rettungsschwimmerhäuschen, zwei Männer und eine Frau, high wie der Mond am Himmel. 

T.C. Boyle (Foto: Henning Kaiser/ dpa) treibt seine Leser genau dahin, wo er sie haben will. Um dann, kurz bevor es richtig spannend wird, abzublenden. Wie so ein spießiger Spielverderber, der sich an gesellschaftliche Konventionen hält. Genau darum geht’s in seinem neuen Roman, „Das Licht“. Um die Frage, wie weit man gehen darf bei der Suche nach absoluter Erkenntnis; die Frage von Richtig und Falsch, Moral und Unanständigkeit; letztlich um die eine, die ganz große: den Sinn des Lebens.

Auf der Suche danach hat der heute 70-jährige US-Autor in seinen Zwanzigern selbst „alle Drogen ausprobiert, die der Menschheit bekannt waren“. Erfahrungen aus dieser Zeit mündeten in viele seiner Texte, am offensichtlichsten wohl in „Drop City“ (2003). „Das Licht“ ist die Weiterführung.

Drogenrausch unter dem Deckmantel seriöser Forschung

Im Zentrum: Timothy „Tim“ Leary (1920-1996), Psychologe, Autor und LSD-Guru der Hippie-Bewegung. Unter dem Deckmantel seriöser Wissenschaft experimentierte er mit psychedelischen Drogen. Versuchskaninchen musste er nicht lange suchen.

Fitz zum Beispiel, Learys Doktorand, möchte unbedingt zu dessen „innerem Kreis“ dazugehören. Über ihn erzählt Boyle von den Anfängen der Bewegung. In der Hälfte wechselt der Blick des Erzählers auf das Innenleben von Fitz’ Ehefrau, Joanie. Um dann im letzten Drittel wieder den Scheinwerfer, den Lichtkegel, auf Fitz zu lenken. Die Erleuchtung hat der da noch immer nicht gefunden.

T.C. Boyle.

Im Gegenteil: Das Chaos in seinem Kopf wird Seite für Seite größer. Und aus dem „inneren Kreis“, der Handvoll Jünger, die sich jeden Samstag bei Tim zur gemütlichen Session treffen, ist längst ein unüberschaubares Mandala geworden. Um in Boyles Bildsprache zu bleiben: ein Mandala, das in allen Farben des Regenbogens leuchtet. Nur: Was bedeuten alle diese Farben? Ist das die absolute Erkenntnis oder nicht doch Abbild der Flucht des mittlerweile drogensüchtigen Fitz aus der Welt da draußen mit all ihren Pflichten? Jeder Trip eine Pause vom Alltag.

Joanie durchblickt das. Merkt, dass Leary und all die anderen ihrer fröhlichen Kommune letztlich immer nur eine neue Legitimation für etwas finden, was im Grunde eine Dauerparty aus Sex, Alkohol und Drogen geworden ist. Gespiegelt wird das in der Musik, die sie bei ihren Sessions auflegen. War es anfangs John Coltrane – Jazz für Liebhaber – ist es später Spaßmusik der Beatles. Waren sie anfangs nur ein paar, rücken irgendwann ganze Bus-Gruppen aus Kalifornien an, um mitzumachen. Diese Hippie-Gäste „waren wie ein Negativ des inneren Kreises – oder nein, wie eine Karikatur“, befindet Fitz. Und merkt gar nicht, dass sie in Wahrheit nichts von  ihnen  unterscheidet. Aus Thelonious  Monk  wird Thelonious Monkey – ein Äffchen, das in der Kommune lebt, alles anknabbert, alles verdreckt, und sich im Schritt kratzt.

Boyle reizt uns und lockt uns so immer wieder auf falsche Fährten

Boyle gelingt es, die Faszination und das Abstoßende dieser nach völliger Freiheit strebenden Lebensführung aufzuzeigen. Er verherrlicht nichts. Und doch reizt er uns, provoziert einem Guru gleich Verständnis für Fitz und Joanie, zwei Mittelklasse-Amerikaner, die sich nicht weiter unterjochen lassen wollen. Die doch nur das Ideal „leben und leben lassen“ in Vollendung durchziehen möchten. Doch Boyle macht uns nicht zu Voyeuren. Er lockt uns auf falsche Fährten. Wie die Figuren selbst auf einer falschen Fährte wandeln.

Denn die Droge, die bietet keine Rettung. „Das Licht“ liest sich wie ein literarischer Appell, sich auf all das zu stürzen, was der Mensch von Natur aus in sich trägt. Kreativität, Liebesfähigkeit, Wissensdurst – alles kann zur Droge werden. Welch ein Glück, dass T.C. Boyle Pillen und Pülverchen gegen die Tastatur ausgetauscht hat.

Was ist eine Gesellschaft, die auf Regeln pfeift? Ein großes Affentheater.

T. C. Boyle:

„Das Licht“. Aus dem amerikanischen Englisch von Dirk van Gunsteren. Hanser Verlag, München, 380 Seiten; 25 Euro.
Der Autor stellt seinen Roman am 14. Februar, 20 Uhr, in der Muffathalle vor; Restkarten mit Glück
an der Abendkasse.

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