Verwirrung nach Explosion im New Yorker Stadtteil Manhattan

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„Nicht heute, Satan“: So wie die Fensterscheibe in New Orleans könnte auch das neue Solo-Album von Wolfgang Niedecken überschrieben sein - ist es doch eine lebensbejahende Hommage an seine Familie.

BAP-Frontmann Wolfgang Niedeckens neues Album über die Familie:

„Weil Bloot decker als Wasser ess“

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Heute erscheint Wolfgang Niedeckens neues Solo-Album – nächstes Jahr stellt der BAP-Frontmann es im Circus Krone vor.

Den typischen Kölner, den kriegste mit Sentimentalitäten direkt am Wickel. Auch den, der das nicht gleich zugeben möchte. Wolfgang Niedecken lacht sein herzerwärmend ehrliches Lachen. „Der typische Kölner, der reagiert beim Dom, beim Rhein“ – eigentlich sollte jetzt eine Aufzählung folgen, doch schon beim zweiten Wort verfällt der Musiker selbst in leidenschaftliches Schwärmen. „Beim Rhein hab’ ich immer sentimental reagiert. Ich bin wirklich an ihm aufgewachsen. Ich brauche mich nur an den Rhein zu setzen und auf ihn zu gucken, da werde ich ganz ruhig. Der macht mich total demütig“, erzählt er. Und wer ihn kennt, der hört aus den Zeilen seinen kölschen Zungenschlag heraus, der alles ein bisserl wehmütig klingen lässt. Der Fluss als Symbol von Fernweh – und Leben. „Er wird irgendwo in den Bergen geboren, und wenn er an der Mündung ankommt, ist er vorbei. Das war für mich immer so ein tiefes Empfinden“, erinnert er sich.

Neulich hat er das wieder spüren können. Denn das mittlerweile fünfte Solo-Album des BAP-Frontmanns, das heute erscheint, ist in New Orleans entstanden – direkt am Mississippi. Wobei, ganz so neu ist das, was er uns auf „Das Familienalbum“ erzählt, ja gar nicht. Fans dürfen sich über eine Sammlung von Niedeckens schönsten Liedern zum Thema Familie freuen. 13 Nummern, von „Weisste noch“ bis „Et ess lang her“ – neu eingespielt in dieser großen amerikanischen Musikstadt, der Wiege des Jazz. Das Südstaatenflair atmen alle Lieder. Durch lebensfrohe Bläserarrangements, gar karibisch anmutende Rhythmen.

Ein Lied, das süchtig macht

„Reinrassije Strooßekööter – Das Familienalbum“ ist in New Orleans entstanden. Das Cover zeigt Niedecken vor einem dortigen Haus, das ausschaut wie der Lebensmittelladen seiner Eltern.

Und dann gibt’s da noch den einen, tatsächlich ganz und gar neuen Song. „Reinrassije Strooßekööter“ heißt er. Süchtig macht er. Vor allem dann, wenn man sich das Musikvideo dazu anschaut. Niedeckens Frau Tina hat es aufgenommen, als er es ihr am Strand von Goa vorspielte. „Ihr Mitfilmen ist die Grundlage für das Video geworden“, erzählt er. Und fügt in seiner unwiderstehlich unverstellten Art hinzu: „Die kann dat, die is Profi.“

Auf dem Cover sieht man den 66-Jährigen auf einer Straße in New Orleans, im Hintergrund ein lachsfarbenes Eckhaus. Niedecken deutet auf das Bild. „Sehen Sie? Das war ein Lokal, wo wir vor den Aufnahmen immer gefrühstückt haben. Und ich habe gedacht: Dieses Haus erinnert mich an irgendetwas.“ Er holt eine Kladde heraus, blättert in den Seiten, die zusammengefaltet das Booklet der neuen Platte ergeben. Ganz hibbelig ob des Überraschungsmoments, der gleich einsetzen soll. Er würde jetzt gern ein Foto aus seiner Kindheit zeigen, doch die Reihenfolge der Bilder stimmt nicht. „Im Booklet schlägt man genau um und hat...“, er schlägt um – falsches Foto. Wieder dieses herrliche, ansteckende Lachen. „Mama! Ich werde gerade wahnsinnig.“ Aber dann: „Da! Dat is der Laden. Der Laden meiner Eltern. Und sehen Sie? Auch so über Eck. Da fängt das für mich alles an. Das war der perfekte Einstieg für die Arbeit.“

Auch in ihm selbst steckt eine bunte Strooßekööter-Mischung

Sein „Vatter“, Sohn einer Winzerfamilie, deren Stammbaum bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, ist einst als Einziger der Sippe nach Köln gegangen – „50 Kilometer den Rhein runter! Sozusagen fast nach Amerika ausgewandert“, amüsiert sich Niedecken. Dort eröffnete er besagtes Geschäft. Gemeinsam mit seiner Frau, Tochter eines Kirchenmalers. Winzer, Kirchenmaler, Unternehmer – eine bunte Strooßekööter-Mischung ist also auch der Sohnemann.

Der Vater sehr konservativ, sehr katholisch, sehr pragmatisch. „An dem konnte ich mich reiben. Als ich älter wurde, habe ich gemerkt, dass es unfair war, wie ich mich gerieben habe. Denn mein Vatter hat’s immer nur jut gemeint.“ So fantasielos der Vater in vielerlei Hinsicht, so kreativ die Mutter. „Sie hat mich wirklich jeden Mist ausprobieren lassen. Sie hätte am liebsten auch etwas Kreatives gemacht – aber als sie in nem Alter war, wo man seinen Weg findet, war Krieg, da war nichts mit Modezeichnerin.“ Obwohl sie einen tollen Strich gehabt hätte, „sie konnte großartig zeichnen“. Heute studiert eine von Niedeckens Töchtern Mode. Ein warmes Lächeln. „Ja, die führt das Erbe der Oma fort.“

Bayern und Köln - das ist wie Yin und Yang

So wie auch er selbst es weitergeführt hat, mit seinem Studium der Malerei. Und überhaupt, behauptet er bescheiden, sei er ja in erster Linie nicht Musiker. „Eigentlich bin ich Geschichtenerzähler. Das ist das, was ich kann.“ Stimmt, denn wenn man mit breitem Kölner Dialekt sogar in Bayern Erfolg hat, soll das schon was heißen. Bayern und Köln, das sei für ihn wie Yin und Yang. Seit 1994 ist er mit seiner bayerischen Frau Tina verheiratet. Wenn man ihn nach den Unterschieden der beiden Regionen fragt, fallen ihm interessanterweise nur Gemeinsamkeiten ein: „Beide feiern sehr gerne. Die Bodenständigkeit ist auch gleich. Wo sind denn die Unterschiede jetzt? Muss ich echt überlegen. Wir sind uns eigentlich sogar im Fußball einig!“ Er erinnert sich noch, wie er als Bub auf dem Teppich lag, mit seinen Matchbox-Autos spielte und lauschte, als sein großer Bruder und der Papa die Fußballspiele im Radio hörten. „Es gab nur den 1. FC Köln, was soll’s denn sonst noch geben? Ist doch Quatsch!“

Wolfgang Niedecken:
„Reinrassije Strooßekööter
– Das Familienalbum“ (Universal). 
Am 6. Juni 2018 spielt Niedecken im Circus Krone. 
Karten: 089/ 54 81 81 81.

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