Hexen bei Hofe

- Mit Francisco de Goya ist der "Säulenheilige der spanischen Malerei" nach Berlin gekommen. Von diesem Mittwoch an ist in der Alten Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel die seit langem größte Goya-Ausstellung und die erste derart umfassende Werkschau des spanischen Malers Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) im deutschsprachigen Raum zu sehen.

Der Untertitel der Berliner Schau "Der Prophet der Moderne", die über 80 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen aus den Beständen internationaler Leihgeber präsentiert, verweist auf die Vorreiterrolle des Malers. Vor allem aber gilt der späte Goya als "Künstler des Schreckens" und Visionär menschlicher Albträume, der immer wieder den aus dem Gleichgewicht geratenen Menschen darstellt wie kein zweiter großer Maler seiner Zeit, damit als melancholisches Genie den Typus des modernen Intellektuellen vorwegnehmend. "Nackte Maja" blieb in Spanien

Nicht alle großen Bilder sind nach Berlin gekommen, etwa die "Nackte Maja", die in Spanien als kulturelle Ikone gilt und nicht ausgeliehen wird. Zwei zentrale Räume in der Nationalgalerie sind dem "Karrieremaler" für Höfe und Paläste mit seinen großformatigen, farbenfrohen Entwürfen spanischen Landlebens für die königliche Teppichweberei oder den Adelsporträts gewidmet, danach kommt der spätere Goya zur Geltung. "Die Ausstellung zeigt eine schöne Scheinwelt, und dahinter wird es gruselig, mit den Szenen des Grauens und des Schreckens, mit Hexen und Dämonen, Szenen von Mord und Totschlag und Vergewaltigung", meint Kurator Moritz Wullen.Der Titel von Goyas in Berlin zu sehender berühmten Federzeichnung "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" wurde zum geflügelten Wort in späteren gesellschaftspolitischen Debatten und Warnungen. Goyas Lithographien reflektieren schonungslos soziale, kirchliche und politische Missstände seiner Zeit.Auf jeden Fall gilt Goya, der die überlieferten Regeln der Malerei nicht mehr akzeptieren wollte, allein schon maltechnisch als revolutionärer Ahnherr von Stilrichtungen der Klassischen Moderne. Der Kurator der Berliner Mammutschau sieht Goya sogar als "Meister der Special Effects" à` la Hollywood, der Szenen des Horrors, der Gewalt, des Krieges und des Wahnsinns darstellte, wie sie es zuvor in der Malerei außer in Karikaturen so noch nicht gegeben hatte.

Bis 3.10., Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-22 Uhr, Tel. 030/ 20 90 55 66, Katalog: 20 Euro. Schau ab 18.10. in Wien.

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