"Hexenjagd" in Weilheim

- "Man ist entweder für dieses Gericht oder dagegen." Aktuell ist dieser Satz aus Arthur Millers "Hexenjagd". Das Stück zeigt das Bild einer paranoiden Gesellschaft. "Hexenjagd", entstanden unter dem Eindruck der McCarthy-Kommunistenhetze zu Beginn der 50er, könnte ein heutiges Drama sein zu Terrorangst und amerikanischen Neurosen.

<P>Yvonne Brosch hat es für die Weilheimer Festspiele inszeniert, und sie tat gut daran, die verquere Logik der Hexenjäger nicht zu sehr zu betonen. Was sie herausholt, ist das Drama der Menschen, der Opfer vor allem, aber auch der Täter. Insbesondere die Tragödie des John Proctor rückt auf der spartanisch ausgestatteten Bühne in der Hochlandhalle in den Mittelpunkt.</P><P>Bühnenbildner Andreas Arneth, der zusammen mit Brosch die Festspiele leitet, bietet wenige einfache Möbelstücke, durchsichtige Vorhänge schließen die im Zentrum stehende Spielplattform in eine Richtung ab. In einer ungewohnten Klarheit und Werktreue leben die Menschen, die Schauspieler, ihre Konflikte aus.</P><P>Jo Vollrath spielt Proctor mit der Verzweiflung, selbst ein Teil dieser Gesellschaft zu sein. Er, der Aufklärer, der Mann der Vernunft. Allein ihm fehlen die Begriffe dafür, die Gesellschaft von Innen heraus zu verändern. Proctor scheitert, weil er immer Teil der Gemeinde bleiben will, die er anprangert. </P><P>Broschs Inszenierung funktioniert dann gut, wenn sich die Protagonisten Auge in Auge gegenüber stehen, wenn Vollrath Judith Mirjam Bopp trifft, die die Abigail Williams spielt. Bopp wirft sich mit den klassischen Bewegungen einer Hysterikerin über die Bühne und lässt Vollrath verdattert zurück: "Hexenjagd" ist auch ein Stück über das Patriarchat und seine Sicht auf die Frau. </P><P>Noch vom 21. bis 23. 10. Tel.: 0881/ 682 128. </P>

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