Hexenmeister

- Nichts ist unmöglich - für den Teufelsgeiger Julian Rachlin. Er hypnotisierte im gut besuchten Münchner Herkulessaal das Publikum so, dass es beim Schlussapplaus etliche Damen von den Sitzen riss. Er ist ein Hexenmeister, weiß es und genießt es - vielleicht ein bisschen zu sehr. Im mit roter Seide gefütterten Gehrock stellt sich der mittlerweile 27-Jährige in Pose. Das passt zu den romantischen Effekt-Stücken, zu Saint-Saë¨ns' Rondo capriccioso, zu Bruchs Romanze für Viola oder auch zur "Carmen-Fantasie" von Bizet.

<P>In diesem Repertoire, auch in der Kreisler-Zugabe, kann Rachlin seine Zauberkünste ungeniert ausleben. Makellose Intonation, perfekte Lagenwechsel, irre Läufe, Sprünge, Doppelgriffe - alle Kapriolen meistert er hochkonzentriert, lädt sie mit Intensität auf und lässt seinen Zuhörern den Atem stocken. Bei diesen zirzensischen Drahtseilakten agieren die Wiener Virtuosen (Streichquintett, Holz- und Hörner-Solisten der Wiener Philharmoniker) als "Bodenpersonal", das eine fein gewebte Auffangmatte ausrollt. Doch bei Mozart wird's ernst. Da wirkt im G-Dur-Konzert die exponierte Pose zunehmend peinlich.</P><P>Natürlich bestechen Rachlins lupenreiner Silberton, sein seidiger Klang auch hier, aber was soll das überdrehte Tempo im finalen Rondo, und wo bleibt das Orchester, das hier Partner sein muss? Schlichtweg auf der Strecke. Vor allem die beiden Geigen kämpfen - allein vom Klangvolumen her - auf verlorenem Posten. Bläser, Bass und Cello tun sich dagegen, auch einfach besetzt, leichter.</P><P>Welch top besetztes Mini-Orchester die Wiener Virtuosen sind, zeigt sich, wenn sie ihre Spezial-Arrangements spielen: Suppé´s Schubert-Verschnitt, Schuberts Deutsche Tänze, Offenbachs Orpheus-Ouvertüre oder Strauß' "Carneval in Venedig". Da stimmt die Balance, funktioniert das Kammerensemble vorzüglich. Auch dann noch, wenn der virtuose Solist beim zugegebenen Frühlingsstimmen-Walzer am zweiten Geigenpult mitspielen "darf" - zur Freude aller.</P>

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