Hier soll alles möglich sein

- Noch sieht alles nach Baustelle aus. Wer vom Marstallplatz aus den alten Pferdestall der Residenz betreten will, muss sich den schmalen Weg durch Schutt und Gerümpel suchen. Die elegantere Variante ist der Zugang durch die Maximilianshöfe. Egal ob von links oder rechts, ab heute jedenfalls ist der Marstall wieder im Visier des Publikums. Ab heute ist er - nach über zweijähriger Schließung - wieder der alternative Theaterraum des Bayerischen Staatsschauspiels. Die Premiere "Das kalte Kind" des Münchner Jungdramatikers Marius von Mayenburg macht den Auftakt.

<P>Fast hatte man das Theater im Marstall schon abgeschrieben. Denn die Begehrlichkeiten hinsichtlich dieses historischen Schauplatzes sind groß und vielfältig, nicht zuletzt von Seiten des Finanzministeriums.</P><P>Dass aber nun das Staatsschauspiel doch wieder dort Einzug hält, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Jürgen Höfer. Dieter Dorns alter Kampfgefährte aus Kammerspiele-Zeiten _ dort war der Theaterumbau-Spezialist bis Sommer 2003 Technischer Direktor _ residiert seit diesem Herbst im Residenztheater als Künstlerischer Direktor. Höfer: "Als ich hier anfing, habe ich gleich gesagt: Eröffnen wir doch einfach den Marstall wieder. Damit habe ich mir natürlich nicht nur Freunde gemacht; manche fühlten sich übergangen." Jetzt aber ist der Friede mit sämtlichen Amtsstuben geschlossen; der Wiederbespielung des Hauses steht nichts mehr im Wege. Ursprünglich für 200 Zuschauer zugelassen, muss sich Höfer zunächst mit einer Begrenzung auf 99 zufrieden geben. In diesem Punkt hat das Staatliche Hochbauamt ein gewichtiges Wörtchen mitzureden; denn Tatsache ist, dass der Marstall, der jetzt mit enormen Eigenleistungen der Werkstätten wieder betriebsfähig gemacht wurde, dringend einer technischen Sanierung bedarf. Doch jetzt wird erst einmal gespielt. Vielleicht ist "Das kalte Kind" eine etwas halbherzige Eröffnung. Ursprünglich war die Geschichte nämlich fürs sterile Theater im Haus der Kunst geplant. Nach einigen Schwierigkeiten mit der Produktion befand Höfer: "Lasst uns das Ding in den Marstall rüber nehmen, da ist's leichter zu inszenieren." Dennoch: Es wechselte die Regie, Julia Ortmann ging, Florian Boesch kam . . .</P><P>Festlegen will sich Jürgen Höfer auf ein bestimmtes Genre nicht. "Im Marstall", sagt er, "soll alles möglich sein. Modernes selbstverständlich. Auch Klassik. Elmar Goerden will hier z.B. Goethes ,Clavigo inszenieren. Musikgeschichten. Tolle Lesungen. Wir wollen versuchen, den Raum immer wieder anders zu nutzen und ihm so jeweils eine neue, unverhoffte Richtung zu geben."</P><P>Eine neue Richtung - die gibt es mit einem ganz besonderen Projekt demnächst auch im traditionellen, großen Haus. Es ist Höfer gelungen, für den 24. April Udo Lindenberg mit seinen "Atlantic Affairs" ins Residenztheater zu holen. Das nötige Kleingeld dafür _ 25 000 Euro - konnte Höfer bei Siemens gewinnen. Für eine zweite Vorstellung, "die Udo gerne geben würde, weil er wahnsinnig gern nach München kommt, benötigen wir noch einen weiteren Sponsor".</P>

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