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Dieter Hildebrandt kommt mit einem neuen Soloprogramm auf die Bühne der Lach- und Schießgesellschaft.

Hildebrandt: Comeback auf der Kabarett-Bühne

München - Dieter Hildebrandt kennt die Bretter der schmalen Bühne gut, auf die er sich am 24. August wieder einmal stellen wird. Der 83-Jährige präsentiert sein neues Soloprogramm.

Auch in den vergangenen Jahren gastierte er dort regelmäßig mit Lesungen, zuletzt aus seinem Buch „Nie wieder achtzig“. In zwei Wochen wird es anders sein: Es ist das Comeback des bekanntesten Kabarettisten Deutschlands mit einem kompletten Soloprogramm, ohne Buch. „Ich will wieder freier sein“, sagt der 83-Jährige. „Und Kabarett ist doch was, das ich einigermaßen kann.“

Zurzeit ist Hildebrandt mit Auswendiglernen beschäftigt, nur unterbrochen von Spaziergängen mit den beiden Tibet-Terrier-Hunden („Die sind ungefähr so alt wie ich“) und dem Kochen ihrer Fresschen. „Beide müssen Diät halten, aber unterschiedliche.“ Soviel Zeit muss sein, dann wird weitergelernt.

Fertig ist ein solches Programm nie: „Es passiert ja jeden Tag was, ich muss immer wieder umschreiben.“ Auch nach der Premiere wird stän­dig aktualisiert. „Manchmal schreib’ ich das auf, manchmal komme ich spontan drauf zu sprechen.“

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Das erste Publikum könnte für neue Nummern könnte praktischerweise Hildebrandts Gattin Renate Küster sein, sie ist ja vom Fach. Klappt aber nicht so gut. „Sie behauptet, ich vertrage Kritik nicht, wenn sie von ihr kommt“, sagt Hildebrandt, ohne dem wirklich zu widersprechen. Renate, fügt er erklärend hinzu, „ist sehr analytisch und hat einen strengen Sinn für Über­län­gen. “Lieber liest er die Sachen seinem früheren Scheibenwischer-Redakteur vor.

Plagt auch einen Hildebrandt vor dem Auftritt das Lampenfieber? „Ach nein, ich würde das Gefühl eher Spannung nennen.“ Ein Selbstläufer ist ein Programm auch nicht, wenn ein Routinier am Werk ist. Manchen Kollegen sei es richtig schlecht, bis die erste Pointe richtig ankommt. „Schrecklich, wenn man feststellen muss, das ist alles ein Irrtum, und man in ein ratloses Publikum blickt.“

Mit Schaudern erinnert er sich an eine der Premieren der alten Lach- und Schieß: „Nach einer halben Stunde war uns klar, das ist ein Flopp – aber nach einer Woche war nur der Titel meines Programms derselbe, alles andere war umgeschrieben.“

Das ist lange her – aber noch heute denkt Hildebrandt an seinen Kollegen Sammy Drechsel, mit dem er 1957 die Münchner Kabarett-Bühne aus der Taufe gehoben hat, „jeden Tag“. Den Todestag des Berliners, den 19. Januar 1986, weiß er ohne Nachdenken. Schon 14 Jahre zuvor hatte sich die Original-Truppe getrennt.

Die jeweilige Politik nahm Hildebrandt auch später aufs Korn, und das wird bei „Ich kann doch auch nichts dafür“ nicht anders sein. Merkel und Westerwelle können sich schon mal warm anziehen. Auch bei SPD-Chef Gabriel zweifelt der genossennahe Hildebrandt, ob er „die besseren Karten, die er jetzt gerade in der Hand hat“, richtig spielen wird. Dass die schwarz-gelbe Regierung bis 2013 durchhält, glaubt Hildebrandt nicht: „Hier erfüllen sich die gewagtesten Prognosen.“ An allen Ecken und Enden gebe es Krisen. „Und immer ist keiner schuld“. Beispiele? „Versuchen Sie doch mal, die Telekom zu erreichen oder die Bundesbahn!“ Mit Letzterer hat er bei seinen Lesereisen viel erlitten, und sich den Ärger in Ausgebucht von der Seele geschrieben.

„Es ist mir unangenehm, dass wir in unserer Branche immer Recht haben“, seufzt Hildebrandt mit gespieltem Bedauern. Und setzt noch eins drauf: „Manchmal lüge ich sogar mein Rechtgehabthaben weg, so peinlich ist es mir.“ Ob die ersten fünf Abende an der Ursulastraße ausverkauft sind, weiß er nicht. „Wenn ich es nicht mehr schaffe, diese 140 Leute zusammen zu bringen, muss ich doch noch den Beruf wechseln.“ Rentner – das sei ja inzwischen ein Beruf: „Aber da für hab’ ich wohl den Absprung verpasst.“

Barbara Wimmer

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