Hilfe den Gerechten

- Ein junges Mädchen wird 75 Jahre alt. Seine Geburtstagsfeier ist nicht ausgelassen fröhlich, sondern ernst und nachdenklich, der Gedanke ist Gedenken. Es ist eine Matinée im Münchner Gärtnerplatztheater, die einen ganz besonderen Menschen zum Mittelpunkt hat: Anne Frank, geboren am 12. Juni 1929, gestorben vermutlich im März 1945 in Bergen-Belsen an Typhus.

<P>Gleichzeitig gilt die Benefiz-Veranstaltung all jenen "Gerechten", die während des Nationalsozialismus ihren jüdischen Mitbürgern geholfen, sie unter Gefährdung des eigenen Lebens geschützt haben, so wie Miep Gies es im Amsterdamer Versteck auch für Anne Frank getan hat.<BR><BR>Staatsintendant Klaus Schultz führt durch ein erstaunliches Programm: Sunnyi Melles liest aus Anne Franks Tagebüchern von Unrechtsgefühl und Verständnislosigkeit, von Angst und Hunger. Buddy Elias, Schauspieler und Cousin Annes, erzählt aus ihrer gemeinsamen Kindheit in Frankfurt und stellt den "Anne Frank Medizinischen Hilfsfond für die Gerechten" vor. Der Vorhang öffnet sich, und es sind Ausschnitte aus Jon Blairs Dokumentarfilm "Anne Frank remembered" zu sehen: Peter Pepper, mit dem Anne in Amsterdam unwillig Zimmer und Schreibtisch teilte, bei seiner ersten und einzigen Begegnung mit Miep Gies; oder Anne selbst, während sie aus dem Fenster schaut - das einzige Filmmaterial, das von ihr existiert.<BR><BR>Aus einem anderen bekannten Tagebuch, dem Victor Klemperers, liest Klaus Schultz den Eintrag vom 4. August 1944, dem Tag, an dem Verrat an den Bewohnern der Prinsengracht 263 geübt wurde. Von Abspannung und Mutlosigkeit ist da die Rede, auch macht sich Klemperer Gedanken über Kopfgeld. Gerahmt ist die Matiné´e (Zusammenarbeit mit der Literaturhandlung und dem Anne Frank-Fonds Basel) vom Cellospiel Daniel Müller-Schotts, sind die Abschnitte der Vergangenheitsreise von Liedern, vorgetragen von Ensemblemitgliedern. </P><P>Dabei entspricht die Auswahl der Stimmungen ganz dem ambivalenten Bild, das man sich von Anne Frank macht: mal fröhlich und kindlich, mal schwer und sehnsuchtsvoll. "Oh wüsst' ich doch den Weg zurück, den lieben Weg zum Kinderland!" <BR><BR>Es ist schwer, sich Anne als alten Menschen vorzustellen. Obwohl sie bereits als 13-Jährige mehr an Wahrheit kannte und erkannte als manch Erwachsener um sie herum.<BR><BR></P>

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