Vom Himmel das Blau

- "Klonen kann sich lohnen. Und verlässt Du mich, dann klon ich Dich." Mag uns Max Raabe auch mit dieser Erkenntnis in die Pause entlassen, so sollte doch spätestens bis dahin auch dem Letzten im Publikum eines klar geworden sein. Nämlich dass sich ein Max Raabe nicht so ohne weiteres klonen lassen dürfte.

Gentechnik hin oder her. Denn der Charme des Herren mit dem kleinen grünen Kaktus ist wahrscheinlich ebenso einmalig wie die Art und Weise, mit der er seine unvergessenen Klassiker ins Mikrofon schnurrrrt. Gemeinsam mit dem Palastorchester nimmt Raabe die Zuschauer für rund zwei Stunden mit in die goldene Zeit der 20er- und 30er-Jahre. Zwei Stunden, bei denen sich das Publikum von den ersten Takten der schönen "Annabel" an mit einem seligen Lächeln auf den Lippen zu schnellem Foxtrott und langsamem Walzer in den Sitzen wiegt. Ganz egal, ob man damals nun selbst dabei war oder diese Musik heute zum ersten Mal hört.

Da verwandelt sich sogar der eher nüchterne Bau der Philharmonie beinahe in ein kleines plüschiges Berliner Nachtlokal. Auf dem Programm dieses Etablissements steht eine perfekt inszenierte Show, bei der nun wirklich alles stimmt. Vom subtilen Humor, mit dem Raabe nonchalant durch den Abend führt, über die mitreißenden Arrangements bis hin zur hochgezogenen Augenbraue. So glaubt man ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, jedes Wort, wenn er verspricht "Ich hol' Dir vom Himmel das Blau".

Und Raabe kämpft dabei keineswegs auf einsamem Posten. Jedes handverlesene Mitglied des schlichtweg grandiosen Palastorchesters scheint diese Musik mindestens ebenso sehr zu lieben wie der Herr am Mikrofon. Das spürt man in jedem Takt. Hier gibt es keinen verklärten Blick zurück in die Vergangenheit. Diese Klassiker leben und begeistern auch heute noch mühelos das Publikum. Zumindest dann, wenn sich Musiker von solchem Format ihrer annehmen.

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