Im Himmel mit Festspiel+

- Auch Skeptiker hatten in München jetzt Gelegenheit, in den Himmel zu kommen - und zwar bei den Münchner Opernfestspielen im Rahmen von Festspiel+. Seit dem Jahr 2000 gehört die Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen zu den zusätzlichen Konzertsälen während der Opernfestspiele. Alljährlich dort zu Gast: der Choir of Clare College. Das Ensemble setzt sich aus Studenten der University of Cambridge zusammen, die unter Leitung von Chordirektor Timothy Brown arbeiten. An der Orgel James McVinnie.

Unter dem Motto "Ascending into Heaven" standen diesmal Sacralwerke von Thomas Tallis, Herbert Howells, Robin Holloway, Ralph Vaughan Williams und C. Hubert H. Parry auf dem Programm, denen die Thematik der himmlischen Erlösung zugrunde lag. Keine andere Kirche hätte sich für das Konzert des dreißigköpfigen Ensembles besser geeignet als der klare, schnörkellose Raum der Herz-Jesu-Kirche, der in wunderbarer Weise zur Konzentration zwingt. Ivor Bolton, nicht nur in München viel beschäftigter Festspieldirigent, ließ es sich nicht nehmen, das Konzert des Choir of Clare Collage zu dirigieren. Bewundernswert, wie präzise und angenehm er einen Tag vor seinem Münchner "Alcina"-Premieren-Dirigat den Chor führte. Dessen disziplinierte Choreographie in der Aufstellung könnte sich mancher Chor zum Vorbild nehmen. Mit erstaunlicher Präzision und Transparenz entführten die jungen Sängerinnen und Sänger in die ruhige Klangwelt des 16. Jahrhunderts eines Thomas Tallis und kontrastierten diese mit den ebenfalls ruhigen, teils jedoch dissonant schrillen Liedern des 20. Jahrhunderts, wie zum Beispiels Holloways "Woefull Arrayed" (kläglich zugerichtet). Wunderbar der subtile Stimmaufbau im Kyrie aus Ralph Vaughan Williams g-moll-Messe oder auch die Echo-Wirkung im Gloria dieses Werkes.

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