Himmel und Hölle

- Das grafische Oeuvre Salvador Dalís, der heuer im Mai 100 Jahre alt geworden wäre (gestorben 1989), ist vor allem für seine Fälschungen berühmt. Trotz alledem hat sich die Galerie der Bayerischen Landesbank (Brienner Straße 20) darangemacht, eine Grafik-Schau zu wagen. Man hat sich auf einige Serien beschränkt, die durch Literatur inspiriert wurden.

<P>Aus der Bamberger Sammlung von Richard H. Mayer kamen Drucke zu Ernest Hemingways "Der alte Mann und das Meer", Federico Garcia Lorcas "Hornstoß und Tod", Giovanni Boccaccios "Decamerone", Tristan Corbières Gedichten "Les amours jaunes", Sigmund Freuds "Moses und der Monotheismus", André Malraux' "Roi, je t'attends à Babylone . . . " und zu Dantes "Göttliche Komödie" nach München. <BR><BR>Allen Zweiflern zuvorkommend betont Galerie-Chefin Nina Felicitas Matt, dass die Mayer-Sammlung über mehr als 40 Jahre aufgebaut worden sei. "Vieles stammt aus Dalís engstem Umkreis beziehungsweise von ihm selbst." In der Tat belegen einige Fotos von Meyer einen intensiven Kontakt, indem sie einen privaten, ganz "normalen" Dalí zeigen.<BR>Sehenswert sind die Grafiken allemal - allein durch die Vielfalt ihrer Techniken von Kaltnadelradierung (direkt auf die Metallplatte graviert) bis hin zu farbigen Xylografien (feine Holzstiche). </P><P>Diese prägen den umfangreichsten Zyklus, die hundert Blätter zur "Göttlichen Komödie", für die 3500 Druckstöcke benötigt wurden und die 1960 von Joseph Forêt herausgebracht wurden. Überraschend un-dalínesk - er liebte ja die gestochen scharfe Präzisionsmalerei - ist der weiche, flüssige Aquarell-Duktus, der der Reise von Dante und Vergil durch Hölle, Fegefeuer und Himmel eine traumhafte Stimmung verleiht. </P><P>Die anderen Werke stammen aus den 70er-Jahren. Spannend ist zu sehen, wie sich in ihnen immer wieder das Thema körperlicher Ver-/ Zerfall und Tod verdichten. Erotik ist in diesem Prozess nur ein kurzes Innehalten. Beide gehören jedoch in Dalís Hoheslied der Metamorphose allen Seins: Das Gesicht wird zur Landschaft, die Hand zum Strauch, der Mensch zum Tier, der Körper zum Möbelstück - und der Raum zu den Fluchtlinien auf dem Papier des Künstlers.</P><P>Bis 27. Juni, täglich 10-18 Uhr, freier Eintritt; Sammlungs-Katalog: 29 Euro.<BR></P>

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