Im Himmel der Stille - Zum Tod von Marcel Marceau

Paris - Der grandiose Pantomime Marcel Marceau starb am Samstag im Alter von 84 Jahren in Paris. Er wird auf dem berühmten "Père Lachaise" beerdigt.

Monsieur Bip hat sich verabschiedet. In einen ganz besonders heiteren, ganz besonders stillen Himmel - den der Pantomimen. Mit Marcel Marceau ist einer der Größten dieser Kunst, die sich unserer dauerbeschallten Welt entgegenstellt, gestorben. Noch vor zwei Jahren beglückte der Franzose die Münchner mit einem Gastspiel im Prinzregententheater.

Und man konnte wieder das Phänomen erleben, dass da einer eine Sprache spricht, die nicht nur alle verstehen, sondern die Jung und Alt, Intellektuelle und Naive, Bürger, Großbürger und Schickis eint. Bip, jenem Tollpatsch im weißen, engen Gewand und seinen Geschichten - sein Schöpfer nannte sie Mimodramen - konnte keiner widerstehen.

Das Wunderbarste an diesem Abend war vielleicht aber das Alter. Marceau akzeptierte es, verwandelte die Fragilität, die Hinfälligkeit des Körpers in Poesie und Weisheit der Bewegung, wie das bei einem jungen Menschen gar nicht möglich ist. Und doch umschloss die greisenhafte Zartheit die ganze Jugend. Wie es sich ja für ein wahrhaft ganzes Leben gehört. Nichts haben diese Gliedmaßen vergessen: nicht die Bocksprünge des Kindes und nicht die Geschmeidigkeit des Jünglings. Die Münchner fühlten damals: Bedeutender als die netten Bip-Episoden war diese stumme Geschichte eines tiefen Da-Seins.

Marcel Marceau wurde in Straßburg am 22. März 1923 als Sohn des jüdischen Metzgers Mangel geboren. Dieser wurde von den Nazis in Auschwitz ermordet. Marcel kämpfte im Widerstand und nannte sich ab da Marceau. Gleich nach dem Krieg versuchte er sich an der Pantomime. In Jean-Louis Barraults Theatertruppe wurde er bestärkt. 1947 wurde Bip geboren.

Aber die vergessene Kunst der stilisierten Körpersprache musste den Zuschauern erst wieder nahe gebracht werden. Im Gespräch mit unserer Zeitung zu seinem Münchenbesuch unterstrich der Künstler sein Ziel: "Das Sichtbare unsichtbar, das Unsichtbare sichtbar machen."

Natürlich war ihm wichtig, seine Kunst weiterzugeben. Deswegen hatte Marceau 1978 eine internationale Schule für Pantomime in Paris gegründet; eine eigene Truppe, die "Nouvelle Compagnie de Mimodrame", gab es auch. Dass er tatsächlich weltweit verstanden wurde, bewiesen nicht nur Auftritte mit Fred Astaire oder Jane Fonda, sondern auch Michael Jacksons "Moonwalk". Ohne Marceau wäre der nicht vorstellbar - so wie unsere Freude an einer Stille namens Bip.

Kondolenzbuch, prominente Trauerfälle und Traueranzeigen aus der Region auf www.trauer.de

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Selbst der grausigste Tragödienbrocken bekommt bei Regisseur David Bösch etwas Verspieltes. Sein Nürnberger „Idomeneo“ überwältigt vielleicht nicht, wirkt aber trotzdem …
„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Belle and Sebastian verzaubern München: Beim ausverkauften Konzert der Glücklichmacher aus Glasgow in der Muffathalle galt einmal mehr: „Love is in the Air“.
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele
Den Tiroler Festspielen wird Ausbeutung, Lohndumping und Machtmissbrauch vorgeworfen. Mittlerweile hat Gustav Kuhns Festival Klage erhoben.
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele
Martin Grubinger: Mit Musik gegen den braunen Sumpf
Martin Grubinger gastiert beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit einem Schlagzeugkonzert des Finnen Kalevi Aho. Musikalisches und Politisches fließen da …
Martin Grubinger: Mit Musik gegen den braunen Sumpf

Kommentare