Himmlische Eiskristalle

- Vasen, die wie Wolkenkratzer ihre grauen Kuben in die Höhe recken, Steinzeug, dessen Wellen gegen rötliche Tonschlicke branden, Broschen, die dämonisch mit Polyester spielen: Innovatives Kunsthandwerk besitzt in Bayern keine Grenzen, aber eine wesentliche Schnittstelle - den im dreijährigen Turnus vergebenen Preis der Danner-Stiftung.

236 Bewerber hat es zum diesjährigen achten Wettbewerb hingezogen; nun dürfen nicht weniger als 46 von ihnen ausstellen, ausgewählt von acht internationalen Fachjuroren. Neue Kunst in neuen Räumen: In den hinteren, frisch renovierten Gewölben  im  Kellergeschoss des Bayerischen Nationalmuseums verbreiten die 16 Schmuck-, zehn Keramik-, sieben Gerät-, fünf Textil-, vier Glas- und drei Holzarbeiten eine frische, muntere Stimmung. Mitten unter ihnen die fünf Preisträger: Den mit 15 000 Euro dotierten Danner-Preis 2005 erhält Franz Xaver Höller, ein Künstler, der die Bedeutung von Glas als ein traditionelles Gefäß-Material hinterfragt und es gleichzeitig durch fantasievolle Verarbeitung zur Skulptur erhebt. Dies beweist er besonders in zwei geschliffenen und gravierten Hohlkörpern mit abnehmbaren Oberteilen aus Rubin- und Topasglas, dem majestätischen "Paar-XII".

Das Material hinterfragen

Nicht alle Kunsthandwerker der Schau blicken bereits auf eine Karriere wie die des 55-jährigen Höller zurück. Der Danner-Preis kennt keine Altersbeschränkung, aber "einen gewissen Bayernbezug" sollte man aufweisen können, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Herbert Rüth. Einen der vier Ehrenpreise von jeweils 3000 Euro erhält die Schmuck-Künstlerin Bettina Speckner: Ihre nostalgischen Broschen sind kleine Setzkasten-Schätze, jede für sich eine wunderbare in Silber eingefasste Geschichte aus alten Fotos, Edelsteinen, Muscheln oder Versteinerungen. In ihrer Märchenhaftigkeit ähneln sie dem prämierten Glasservice Sabine Langheinrichs, welches als Symbol für die heute so zerbrechliche Kostbarkeit des familiären Beisammenseins steht. Mit seinen filigranen Geflechten wirkt es, als sei es als Eiskristall vom Himmel gefallen.

Zur kalten Jahreszeit passen ebenfalls die handgefilzten Hauben Olga von Moorendes. Die Kopfbedeckungen aus Merinowolle schmiegen sich in floralen welligen Formen und Ornamenten wie Frisuren an den Kopf. Genauso naturbelassen und lebendig schließlich wirken die vier geometrischen Gefäße Peter Wagensonners. Die Maserungen seiner Pappelholz-Stämme eröffnen erst durch des Künstlers Schliff das ganze Geheimnis ihrer besonderen Schönheit.

Alle dieser vielfältigen Neu- und Wiederentdeckungen bedeuten ein überdurchschnittlich positives Profil für die Danner-Stiftung, die 1920 auf Initiative des Hofgoldschmiedes Karl Rothmüller durch die Ökonomieratswitwe Therese Danner gegründet wurde. Um die besonders Guten zu fördern und die Jungen in die Professionalität zu begleiten - und, wie sich auch in diesem Jahr zeigt, um einen Einblick zu geben in das außerordentlich reiche gegenwärtige Kunsthandwerk Bayerns.

10.11.'05-15.1.'06, Tel. 089/ 2 11 24 01; Katalog: 35 Euro.

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