Himmlisches Fest der Götter

München - Einen wahrhaft göttlichen Abend bescherte der Münchener Bach-Chor mit seinem "Reigen der Götter" im Prinzregententheater. Schade, dass dieses außergewöhnliche Projekt nur einmal stattfinden soll. Ambitioniert und experimentierfreudig hat der künstlerische Leiter des Bach-Chores Hansjörg Albrecht etwas geschaffen, was Bach zu Lebzeiten nie realisiert hat: eine Oper.

Albrecht formte aus Bachs weltlichen Kantaten "Die Jagd", "Der Wettstreit", Der Ratschluss" und "Das Fest" ein Opern-Pasticcio, basierend auf der griechischen Mythologie. Die Götter sind zur Jagdzeit zusammengekommen, um der Sonne als Analogie zum Sonnenkönig in Versailles zu huldigen. Es geht um Liebe, musikalische Konkurrenz, Bewahrung der Tugend und Beschwichtigung der Winde. In barocker Manier verfasste Albrecht dazu ein Libretto.

Bei seinen musikalischen Eingriffen versuchte er, im Sinne Bachs weiterzudenken. Vincent Kraupner hat diese halbszenische Aufführung vor dem Eisernen Vorhang eingerichtet, sich vor allem auf die Personenführung der Gesangssolisten konzentriert und das Ganze mit relativ sparsamen Lichteffekten eingerichtet. Der Chor, puristisch in Schwarz gekleidet, agierte als Hofstaat und Volk.

Projektbezogen in kleinerer Besetzung und auffallend verjüngt, war er stimmlich teils schwer gefordert. Auch szenisch. Doch gerade an den szenischen Details hätte noch gefeilt werden müssen. Schwarz gewandet auch das im Halbrund vor Albrecht auf der Bühne präzis und spritzig musizierende Bach Collegium München. Im Kontrast dazu die Götterriege: das stimmlich homogen und vitale, wie darstellerisch lustvoll agierende Solistenensemble mit Katja Stuber, Ann-Katrin Naidu, Colin Balzer, Alexander Yudenkov, Martin Hensel, Tyler Duncan und Schauspieler Nobert Heckner, allesamt in üppiger Rokoko-Kostümierung.

Ein himmlisches Fest zur Erbauung des Königs und des Publikums. Nur ein Gott fehlte auf der Bühne, weil er gegen Ende des fast dreistündigen Spiels unsichtbar durch die Reihen schlich: Hypnos, der Gott des Schlafes. Denn obwohl Albrecht die Kantaten bereits um einige Längen gekürzt hat, eine halbe Stunde weniger wäre mehr gewesen.

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