Jochen Malmsheimer las im Lustspielhaus die Leviten.   jh

Hinreißende Brandrede

München - München-Premiere im Lustspielhaus: Malmsheimers Programm „Ermpftschnuggn trødå! Hinterm Staunen kauert die Frappanz“.

Vorsicht, Wortgewalttäter! Jochen Malmsheimer, der zupackende Hausmeister aus der ZDF-„Anstalt“, ließ es bei der München-Premiere seines Programms „Ermpftschnuggn trødå! Hinterm Staunen kauert die Frappanz“ im ausverkauften Lustspielhaus so kraftvoll rumsen wie in dieser Gegend seit Ende August nicht mehr. Die Bühne als Donnersberg, von der aus Malmsheimer der Welt mit mächtigem Organ die Leviten las, seine Manuskript-Gesetzestafeln in der Linken.

Eine Bergpredigt? Nö, eher eine Zwergpredigt, lustvoll gewidmet den geistigen Pygmäen unserer Tage. Leicht macht es der Essener seinem Publikum nicht, und wieso auch? Leichte Kost gibt’s überall in unserer Leichtkost-Welt. Malmsheimer fordert und belohnt. Seine oft verqueren Texte sind bis zum letzten Satzzeichen durchkomponiert und lassen sich kaum auswendig lernen – daher rezitiert der Meister aus seinem Buche und freut sich oft genug selbst königlich (und durchaus eitel) über skurrile Details wie seine „Erik Ode an die Freude“, die ohne Unterlass auf die Zuhörer herabprasseln.

Natürlich kann man sich bisweilen verwortgewaltigt fühlen von Malmsheimers manischer Wucht. Aber: Seine Suaden treffen mitten ins Schwarze. In einer hinreißenden Brandrede wider das tägliche TV-Elend wünscht sich Malmsheimer, der Erfinder des Fernsehkochens möge „in guter Butter und mit Salbei kross gebraten werden“, agitiert gegen „Klum-dummes Programm“ und wünscht sich endlich wieder „Gespräch statt Talk“. Fazit: „Brunzbanales Leben gewinnt auch dann nicht an Format, wenn es gefilmt wird.“ Recht hat er, der Zermalmsheimer. Jörg Heinrich

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