Hinter Klostermauern

- "M-Maybe he became ill and couldn't leave the studio", überlegt die Frau mit den knallgelben Haaren und dem gepunkteten Teint: Vielleicht wurde er krank und konnte das Studio nicht verlassen. In den 60er-Jahren entdeckt Roy Lichtenstein die bunte Blasen-Welt der Comic-Strips. Er bringt Einzelbilder wie "M-Maybe" auf großformatige Leinwände und etabliert dieses Genre neu in der bildenden Kunst.

Kunst als Populärkultur? Comics als Kunst? Die Ausstellung "Strips and Characters" im Kunstraum Muenchen befasst sich mit der aktuellen Verarbeitung von Comic-Elementen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, das beweisen die Arbeiten der sieben Künstler aus Deutschland, Japan, England, der Schweiz und den USA.<BR><BR>Raymond Pettibons Einzelszenen verknüpfen philosophischen Text und druckgraphisches Bild in klassischer Form. Eine Hand, die einen Schattenhund formt, darüber der Text: "No shadow without meaning, no light without life" (kein Schatten ohne Bedeutung, kein Licht ohne Leben). Passend auf einen ihrer Songtexte ("What happens behind the convent-walls when night falls?" - Was passiert hinter Klostermauern, wenn die Nacht anbricht?) hat Angie Reed mehrere Entwürfe eines skurrilen Kloster-Szenarios mit Figuren im Stil der 20er-Jahre gezeichnet. Im Trickfilm "Cherry Blossom" animiert sie diese poppigen, schrägen Papierfiguren-Welten.<BR><BR>Ob als Foto-Comic-Collagen im Leuchtkasten (Jim Avignon), als "Plüschwürste" mit Gesichtern (Nadine Spengler) oder als Papier-Mobiles (Catriona Shaw) - die Arbeiten der überwiegend jungen Künstler erscheinen gleichzeitig als ernsthafte und spielerische Auseinandersetzungen mit dem Thema. Gegenüber des Bad-Girl-Strips von Yoshitomo Nara, der an die klar und einfach gestalteten Arbeiten Dick Brunas erinnert, wird es richtig laut.<BR><BR>Alle Arten von mechanischem Spielzeug, Puppen und Stofftieren bewegen sich auf, unter, neben einem kleinen Tisch zur "Uuhuuhuuhuuh"-Endlosschleife der Beach Boys. Das ist Anna McCarthys Trash-Altar. So sieht jeder der Künstler auf besondere Weise eine Comicwelt inmitten seiner Alltagswelt und verarbeitet beide. <P>Bis 24. Oktober, Mi-So 15-18 Uhr, Zieblandstr. 8. Info: Tel. 089/ 54 37 99 00 oder unter www.kunstraum-muenchen.de. Das Heft zur Ausstellung erscheint zur Finissage am 24.10., 19 Uhr.<BR></P>

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