Hinter dem Rücken des Klavierlehrers

- München bekam ihre Gesangskunst bislang nur in homöopathischen Dosen verabreicht (Siè`bel im Staatsopern-"Faust", wenige Konzerte). Doch Anke Vondung, Preisträgerin des ARD-Wettbewerbs, gehört zu den ganz großen Hoffnungen im Mezzo-Fach. Zwei Jahre lang war die gebürtige Speyerin in Innsbruck bei Intendantin Brigitte Fassbaender engagiert, wo sie unter anderem als Sextus und Oktavian glänzte. Die Dresdner Semper-Oper verpflichtete sie ab der nächsten Saison, doch zuvor singt Anke Vondung in Salzburg die Dorabella. Christine Mielitz inszeniert fürs Landestheater diese "Cosí´ fan tutte", die heute im Rahmen der Mozartwoche Premiere hat.

<P>Wie war die Probenarbeit mit Christine Mielitz?</P><P>Vondung: : Lang und sehr intensiv. Bei Frau Mielitz wird's einem nie langweilig. In ihrer Inszenierung ist schon was los, da muss man sich selbst erst mal sortieren und seine Kräfte einteilen lernen. Bei ihr habe ich das Gefühl, sie hat den fertigen Film schon im Kopf, was es für die Sänger ja auch einfach macht. Nicht dieses ewige "Probieren Sie mal das". In ihre festen Strukturen kann man dann seine eigenen Ideen integrieren.<BR><BR>Mozart in Salzburg singen: Spüren Sie eine Art Weihe des Ortes?<BR><BR>Vondung: : Ich blende das aus. So wie ich auch große Namen immer ausblende, das sind Menschen wie du und ich. Ich merke schon, dass in Salzburg die Erwartungshaltung höher ist als woanders. Gott sei Dank bin ich nicht extrem Lampenfieber-gefährdet. Nur vor meinem ersten "Rosenkavalier" hatte ich Angst, weil das ein Riesenstück ist. Alle anderen Opern waren dann einfacher - wenn man einmal den Oktavian durchgestanden hat . . .<BR><BR>Sie waren zwei Jahre lang unter der Intendantin Brigitte Fassbaender engagiert. Ist es schwierig, wenn die Chefin im selben Fach gesungen hat?<BR><BR>Vondung: : Für mich nicht, ich versuche mir ohnehin keine Probleme einzureden. Außerdem ist die Arbeit mit ihr sehr angenehm. Frau Fassbaender gibt einem nie das Gefühl, dass man Angst haben müsste vor ihrer Karriere. Wenn man Rat brauchte, stand ihre Tür immer offen.<BR><BR>Warum der Wechsel nach Dresden?<BR><BR>Vondung: : Es ergab sich einfach. In Dresden warten Oktavian, "Ariadne"-Komponist, Sextus im "Titus" und Rheintochter auf mich. Ich plane Karriere nicht bewusst. So wie's kommt, wird es gut sein. Ich glaube an eine gewisse Form der Vorbestimmung, was auch mit meiner religiösen Einstellung zu tun hat. Die Gabe des Singens wurde mir geschenkt.<BR><BR>Und war Ihnen das von Anfang an klar?<BR><BR>Vondung: : Schon, aber nach dem Abitur traute ich mich noch nicht, eine Sänger-Laufbahn einzuschlagen. Also sollte es erst "etwas Gescheites" sein: eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Nebenbei gab's die ganz normale dörfliche Gesangskarriere, über Kinder- und Kirchenchor, dann zeitweise in einer Sakro-Pop-Gruppe. Weil ich kirchlich engagiert war, habe ich viel auf Beerdigungen und Hochzeiten gesungen.<BR><BR>Und wer war schuld am Umsatteln auf den Profi-Gesang?<BR><BR>Vondung: : Ich hatte lang einen ganz lieben Klavierlehrer, der irgendwann meinte: Sing' mir doch mal was vor. Da habe ich mich so geschämt und wollte das nur hinter seinem Rücken tun. Schumanns "Widmung". Ich versteckte mich also, er drehte sich um und sagte erstaunt: Bitte noch mal. Und danach: Du musst das studieren. Ich war schon als Kind ein scheuer Typ und brauchte eine Weile, bis ich mich zu diesem Öffnen durchringen konnte.<BR><BR>Wie soll es nun weitergehen? Haben Sie sich konkrete Ziele gesteckt?<BR><BR>Vondung: : Ich bin nicht der Typ, der mit allen Mitteln berühmt werden will. Entweder ich bin so gut und erreiche das mit meinen Fähigkeiten - oder eben nicht. Ich könnte auch keine Sänger-Agentur brauchen, die mir vorschreibt: Du musst diese Partie oder das Konzert singen. Da stellt's mir die Haare auf. Schließlich verdienen wir das Geld, wofür die ihre Prozente bekommen. Auch wenn diese Haltung für junge Sänger natürlich schwierig ist.<BR><BR>Als Mezzo sind Sie ja auf Hosenrollen abonniert . . .<BR><BR>Vondung: : . . . die ich auch sehr gern singe. Vor der Salzburger Dorabella haben sich furchtbar viele Hosenrollen gehäuft, da war ich schon ganz panisch und dachte mir: Oh Gott, ich muss wieder eine Frau sein, das gibt 'n Problem. Und es war anfangs wirklich so, bis ich mir das Ruppige abgewöhnt habe.<BR><BR>Was passiert eigentlich mit den "Cosí´"-Paaren, nachdem sie sich wieder gefunden haben und der Vorhang gefallen ist?<BR><BR>Vondung: : Das sieht mir schon sehr nach Vernunft-Ehe aus - wenn es überhaupt dazu kommt. Es wirkt auf mich wie: War ein schöner Ausflug, aber ich bleibe doch beim Alten und bewahre mir die Erinnerung.</P><P>Das Gespräch führte Markus Thiel</P><P> </P>

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