Hintergründige Brutalo-Ästhetik

- Mit Andy Hope 1930 signiert Andreas Hofer seine Arbeiten und will deswegen nicht, dass sein Geburtsjahr 1963 bekannt gegeben wird. Es ist gar nicht so leicht, sich und das eigene Leben perfekt zu stilisieren. Andy-Vorbild Warhol hat's viel Mühe gekostet. Das Münchner Lenbachhaus, das zwar auch Werke des Pop-Art-King besitzt, aber noch viel mehr Blauer-Reiter-Träume - denen Hofer ebenfalls gerne nachhing -, präsentiert jetzt die erste Museumsausstellung für sein bisheriges Schaffen: "Welt ohne Ende".

<P>G'wamperter Superman</P><P>Andreas Hofer, bei München aufgewachsen, vor dem Akademiestudium Surf-Genießer in Kalifornien, lebt nach den Stationen München, London, München in Berlin. Kuratorin Susanne Gaensheimer verfolgt seine Entwicklung seit zehn Jahren, also seit seinen Anfängen. Die Städtische Galerie hat kontinuierlich Ankäufe getätigt und schreibt damit das Konzept fort, bemerkenswerte junge Künstler mutig zu unterstützen. </P><P>Mutig deswegen, weil man dabei die bequemen und sicheren Wege des Etablierten verlässt, um Risikokapital für eine ungewisse Zukunft locker zu machen. Setzt sich der Künstler durch, ist die Freude natürlich groß. Dass das bei Andreas Hofer zunächst nicht ganz leicht vor sich ging, versteht man beim ersten Blick auf seine Gemälde, Installationen, bearbeiteten Collagen oder Zeichnungen.</P><P>Er operiert sehr häufig mit der Brutalo-Ästhetik von oft miesen Fantasy-Produkten, die Kinderzimmer, Billigfilme oder tiefergelegte Mustangs verunziert. Der gemeine Museumsbesucher, geschult an großartiger Moderne und kühlem Design, schluckt da kräftig. Im Lenbachhaus gibt es sogar ein Extra-Gruselkabinett, voll gemüllt mit Monster- und Comic-Helden-Kitsch. Aber auch die anderen Arbeiten sparen nicht an Untoten, Gerippen, Dämonen oder g'wamperten Supermen. Wer "Herr der Ringe" und dergleichen liebt, wird sich schon im Foyer gut empfangen fühlen von einer Phalanx bleicher Lemuren, deren Köpfe nach unten in Tentakeln ausfransen. </P><P>"Einzug in Kandahar" zitiert durch seine Fratzenhaftigkeit auch James Ensors "Einzug in Brüssel", der auf Jesu Einzug in Jerusalem anspielt. Das Spiel mit Anspielungen nimmt der Hofer Anderl (um auf den Tiroler Namensvetter anzuspielen) in guter kunsthistorischer Tradition auf und treibt es weiter bis in die Zerklüftungen unserer Kultur, dahin, wo sie wohlfeil ist, für schnellen Reiz und flüchtige Erregung sorgt. </P><P>Wenn aber Hofer die Horden des harmlosen Buch- oder Kino-Grauens mit dem Afghanistan-Hinweis kombiniert, mit Kreuzritter-Symbol, der Form des Eisernen Kreuzes sowie mit Halbmond-Sicheln, dann flackern in den plakativen Bildern politische Lesarten auf. Ausführlich und künstlerisch am überzeugendsten zeigt sich das in einer Serie von Zeichnungen über den Nazi-Maler Werner Peiner: Blut-und-Boden-Ideologie trifft auf die Moderne - und wird von ihr durchsetzt, überwunden. Solch komplexe Strategien kontrastiert Hofer mit einer bewusst kindlichen, "schlampigen" Malweise, die flach ist, wie mit der Laubsäge ausgeschnitten. Dazu passen seine Kulissen-Installationen, in denen Western, NS-Bau, Höhle und Kirche wild gemischt werden.</P><P>All das irritiert und regt an. Manchmal bleibt Andreas Hofer aber der platten Ebene der Wegwerf-Bildsprache verhaftet, wie bei "Exotic Evolution X". Und dann wird's schlicht langweilig. </P><P>Von morgen bis 1. Mai; Katalog, Verlag Walther König: 38 Euro; Tel. 089/ 23 33 20 00. </P><P> </P>

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