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Überzeugte in München: Cat Stevens alias Yusuf Islam.

Hippie, Hippie, Hurra!

München - 35 Jahre nach seinem letzten Konzert in Deutschland überzeugt Cat Stevens alias Yusuf in München selbst Skeptiker.

Er konnte einem schon ein bisserl suspekt sein, dieser Mann, der eigentlich Steven Demetre Georgiou heißt und sich erst „Cat Stevens“, dann „Yusuf Islam“ und schließlich nur noch „Yusuf“ nannte: Mit seinem Übertritt zum Islam, seiner radikalen Abwendung von der Musik und seinen Äußerungen zur Fatwa gegen Salman Rushdie hatte er für massive Irritationen bei den Fans gesorgt. Sage und schreibe 35 Jahre lang war der einstige Star-Troubadour nicht mehr in Deutschland aufgetreten - nun gelang ihm in der gut gefüllten Münchner Olympiahalle ein glänzendes Comeback.

Als er ganz allein mit seiner Klampfe im Halbdunkel beinahe in Zeitlupe auf die Bühne schlurft, da befürchtet man noch, man müsste ihn in Zukunft „Yusuf is’ lahm“ nennen. Doch schon nach den ersten Takten des Liedes „Lilywhite“ von 1970 stellt sich die alte Magie wieder ein: Der 62-Jährige spielt noch immer mit virtuoser Leichtigkeit Gitarre, und seine unverwechselbare Stimme klingt wie damals, höchstens noch etwas tiefer, reifer, voller, nicht mehr so meckernd - obwohl er rein äußerlich mit seinem hellgrauen Bart durchaus ziegenhafte Züge trägt. Bei „Trouble“ kommt sein ältester musikalischer Weggefährte, Gitarrist Alun Davies, zu ihm auf die mit Straßenlaternen, Mülltonnen und Mauerresten bestückte Bühne, nach und nach folgen die sechs anderen Bandmitglieder. Gemeinsam schicken sie die begeisterten Fans mit dem „Peace Train“ auf eine Reise zurück in die Jugend, in die Sechziger- und Siebzigerjahre - und zelebrieren mit sanft einschmeichelndem Folkpop eine relaxte Ü30-Party, die beweist: Zeitlos gute Songs brauchen keinen Firlefanz, um zu berühren.

Völlig unprätentiös schüttelt der Meister einen Welthit nach dem anderen aus dem Ärmel - von „Moonshadow“ bis „Morning Has Broken“. Zwischendurch plaudert er wie ein freundlicher Märchenonkel mit dem Publikum, und man denkt sich: Der ist ja richtig nett, der Cat! Er wirkt wie ein weiser, entspannter Alt-Hippie - nicht hip, aber happy: „Ich bin alt, doch ich bin glücklich“, singt er treffend in „Father And Son“. Gut möglich, dass demnächst eine Beruhigungstee-Sorte nach ihm benannt wird. Manch einer mag den bebrillten britischen Blumenkinder-Barden als wandelnden Anachronismus abstempeln - doch Lieder wie das von den jüngsten Revolten in der arabischen Welt inspirierte „My People“ zeugen von der Aktualität seiner Botschaft.

Manch einer mag es naiv und kitschig finden, wenn auf den Video-Leinwänden weiße Tauben, bunte Peace-Zeichen oder die Worte „Frieden“ und „Würde“ auftauchen - oder wenn der Sänger Sätze sagt wie: „Das ist ein wichtiges Lied, denn es handelt von Bäumen.“ Aber die Art, wie dieser hoffnungslose Optimist in seinen Songs seine ehrlich empfundene Utopie von einer harmonischen Welt entwirft, hat etwas Entwaffnendes, Tröstliches, ja sogar Reinigendes.

Und plötzlich ist es egal, ob sich der charismatische Wanderprediger in Zukunft vielleicht „Katze Stefan“, „Jessas Maria“ oder gar „Jupp“ nennt. Denn spätestens nach der vierten Zugabe, der Flower-Power-Reminiszenz „All Kinds Of Roses“, nach einem zum Abschied auf Deutsch gehauchten „Gute Nacht“, sind schließlich auch die letzten zynischsten Skeptiker überzeugt: Ja, Musik überwindet Grenzen. Liebe versetzt Berge. Und Frieden ist möglich. Hippie, Hippie, Hurra!

Marco Schmidt

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