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Meditation und Grenzerweiterung: Hiroshi Sugimotos Fotografie „Landschaft 005“.

Der ganze Kosmos

Hiroshi Sugimoto im Brandhorst-Museum

Diese Oase ist grau und schwarz. Trotzdem strahlt sie nicht Depression aus, sondern überwältigende Unendlichkeit.

Auf den Bildern in den dunklen Räumen ist wenig zu sehen. Und doch ist es der ganze Kosmos und alles, was darüber hinausgeht. Hiroshi Sugimoto hat in der Münchner Sammlung Brandhorst wirklich eine laut Ausstellungstitel „Revolution“ geschaffen.

Die Revolution ist nicht politisch oder sozial, sondern, ganz im ursprünglichen Wortsinn, eine Umwälzung von Konventionen. Das hat auch mit Fotografie zu tun. Vor allem aber mit Meditation und Magie, mit Wahrnehmung und Grenzerweiterung. Wer jetzt denkt, das ist zu abgedreht, der sollte unbedingt in die Sammlung Brandhorst gehen: Hier wird auf einen Schlag erlebbar, wofür andere Tonnen von Schriften brauchen. Kein Zufall: Hiroshi Sugimoto hat bei der ersten Schau dieses Werkkomplexes von der Wandfarbe bis zu den Sockeln alles selbst mitbestimmt. Auch wenn er bislang international als Fotograf bekannt ist, so ist er sowohl technisch-künstlerisch wie kulturell extrem breit aufgesellt.

1946 in Tokio geboren, studierte er in Los Angeles und pendelt seit 1974 zwischen New York und Tokio. Vielleicht sind es der west-östliche Dialog und die Vogelperspektiven, die ihn sämtliche Grenzen sprengen lassen. Seit 30 Jahren belegt er das als Fotograf und macht aus seinen „Seestücken“ Gleichnisse für die Größe des Kosmos. Für die „Revolution“ sind zehn nächtliche Mond-Seebilder paarweise kombiniert: Einerseits sind das die unglaubliche Stille einer Wasserspiegelung, das sanfte Rest-Glitzern, die akkurate Linie des Horizonts. Andrerseits sind es Planeten-Schweife, Mondstrahlen, also Ergebnisse von extremen Langzeitbelichtungen, die kaum Wahrnehmbares, nicht Festhaltbares und ein bewegtes, zeitlich entrücktes All sichtbar machen. Um sie als pure Lichterscheinungen zu präsentieren, sind die Aufnahmen dann um 90 Grad auf hochkant gedreht.

Man kann nun enorm viel assoziieren: Minimal Art, Konzeptkunst, Caspar David Friedrich und die Romantik, alles steckt in diesen Werken. Doch mit seiner nostalgischen Plattenkamera und den traditionellen Papierabzügen entwickelt Sugimoto eine Art eigene Fotofeld-Malerei. Der samtige Glanz, die glasklare, reduzierte Ästhetik, die Feinheiten und die Weite ergeben eine Aura, die den Betrachter mitnimmt in eine neue Dimension.´

Feia Oliv

Bis 10. Februar, Katalog: 48 Euro; Tel. 089/ 238 05 22 86

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