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Hans Knappertsbusch (1888–1965).

CD-Kritik

Wagner-Fund: "Lohengrin" mit Knappertsbusch

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Eine historische Aufnahme eines herausragend besetzten Lohengrin mit Hans Knappertsbusch aus dem Prinzregententheater - was für ein Fund! Den gibt es jetzt auf CD. Hier ist unsere Kritik.

Fünfmal „Tristan“, sechsmal „Holländer“, sogar siebenmal „Parsifal“, sein Leib- und Wagnerstück, ganz abgesehen von den vielen nicht ganz legalen Mitschnitten – doch das Schwanenritterdrama? Kein Tondokument, nirgends, wenn es um die Auseinandersetzung von Hans Knappertsbusch mit dem „Lohengrin“ geht. Und das bei dem Wagner-Granden der unmittelbaren Nachkriegszeit. Bis jetzt.

Keine vergessene Archivkiste irgendeiner Plattenfirma wurde dafür geöffnet, sondern der Privatfundus von Herbert List, früher Betriebsdirektor und Vize-Intendant der Bayerischen Staatsoper. Die Münchner CD-Firma Orfeo hat das Material der kostbaren Bänder etwas aufgeputzt und auf drei Silberscheiben gebannt. „Historisch“, dieses inflationär gebrauchte Adjektiv trifft hier einmal vollumfänglich zu. Nicht nur wegen Knappertsbusch, sondern besonders wegen der Solisten, die da am 2. September 1963, kurz vor dem Wiedereinzug ins Nationaltheater, auf der Bühne des Prinzregententheaters zu erleben waren.

Ingrid Bjoner, sträflich von den Plattenfirmen vernachlässigt, sang eine Elsa, wie sie in der „Lohengrin“-Diskografie vielleicht nur von Elisabeth Grümmer übertroffen wurde. Astrid Varnays Ortrud scheint aus irgendeiner Magmahöhle emporgequollen. Hans Günter Nöcker, bis in die Achtzigerjahre in dieser Rolle aktiv, gibt einen Telramund zwischen Dämonie und Verzweiflung. Kurt Böhme ist ein würdevoller König Heinrich, Josef Metternich als Heerrufer herrlich überbesetzt und Hans Hopf ein Lohengrin, der seinen Prachtheldentenor für die Brautgemachszene mit dem Weichspüler präpariert hat. Ver- und angeschliffene Töne resultieren eher aus dem damals üblichen Vokalstil. Gerade dieser Beginn des dritten Akts ist der Höhepunkt der Einspielung.

Knappertsbusch ist hier in jedem Takt bei seinen Sängern auf der Bühne. Zuvor, gerade im ersten Aufzug, gibt es auch Unstetes und merkwürdige Temporückungen. Die Positionierung des Mikrofons (oder waren es doch mehrere?) provoziert ein paar Male irritierend indirekte Klangwirkung. Knappertsbusch kann mühelos die Wagner-Kompetenz des Staatsorchesters abrufen, setzt ansonsten gern auf Imponiergehabe und nimmt sich für Details viel Zeit. Manches tönt freilich nach unscharfem Schnappschuss, doch die Probenunlust des Maestro ist ja bekannt: „Meine Herren, ich kenne das Stück, sie auch. Dann auf Wiedersehen bis heute Abend!“

Als Lückenschließer in der Diskografie für einige der beteiligten Künstler ist diese CD-Box also gar nicht hoch genug einzuordnen. Sogar im Falle eines der vier Edelknaben: Dieser „Lohengrin“ dürfte das erste Plattendokument von Brigitte Fassbaender sein.

Richard Wagner: „Lohengrin“, Bayerische Staatsoper 1963, Hans Knappertsbusch (Orfeo).

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