Historische Zeitreise

- Hanswurst, Wurstel, Harlekin - dieser alte Spaßmacher ist nicht totzukriegen. Nicht mal sein Bühnenverbot anno 1737 durch Gottsched und Theaterleiterin Caroline Neuber hat es fertig gebracht. In der zweiten Folge der Reihe "Theaterlust und Anarrchie", die sich das Münchner Theater am Sozialamt (TamS) verordnet hat, krabbeln Hans und seine Gretl, die deutsche Colombina, putzmunter aus Claudia Karpfingers Mehrzweck-Box. Drei davon, immer mal wieder umgestellt, genügen blendend fürs schlichte Stegreif-Spiel.

TamS-Chefin Anette Spola hat diesmal drei jüngere Regisseure auf den Wurstel angesetzt. Ein bisschen schwach auf der Brust ist er noch bei Urte Gudian. Ihr Spaß-Pärchen, nach 300-jähriger Einmottung ins Heute aufgewacht, stottert und aerobict sich mit viel gutem Willen, aber nicht viel mehr, in den Hightech-Alltag und in unsere fitnessbewegte Gesellschaft. Michael Bischoff hat schon mehr Fantasie. Sein H & G-Duo lottert in den Tag zwischen Drogen brauen, Bomben basteln und Wunsch-Halluzinationen. Susanne Schneider und Marcus Widmann mutieren mit Spielwitz und Illustrierten-Glamour zu Pop- und Splattermovie-Stars. Michael Zabler, mit auf der Bühne, holt dazu aus seiner E-Gitarre den spannungskitzelnden, rhythmischen Soundtrack. Eine Spur kürzer, dann wär's perfekt.Skurril-unterhaltsam auch Urme Neumanns historische Zeitreise, nicht zuletzt dank Judith Riehls Wandlungsfähigkeit. Sie begegnet dem Job suchenden Hans als klassisches Theater fordernde Neuberin, als Puck, urkomische Sherlock-Holmes-Enkelin und italienisch wetternde Colombine, immer von Claudia Karpfinger pfiffig-zünftig angezogen. Am Ende findet Hanswurst nicht nur seinen niederdeutschen Kollegen Pickelhering, sondern auch Arbeit. Im Staatstheater! Da lacht ja sogar die Wurstpelle.

Karten: Tel. 089/ 34 58 90.

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